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Borussia Dortmund
Bircher-Müsli für den fliegenden Superhelden

 Torhüter Roman Bürki (Mitte) hielt für Borussia Dortmund den Sieg gegen Slavia Prag und damit das Weiterkommen fest.
Torhüter Roman Bürki (Mitte) hielt für Borussia Dortmund den Sieg gegen Slavia Prag und damit das Weiterkommen fest. FOTO: dpa / Bernd Thissen
Dortmund. Borussia Dortmund steht dank des überragenden Roman Bürki und der Schützenhilfe des FC Barcelona im Champions-League-Achtelfinale. sid

Champagner und Triumphgeheul sind wahrlich nicht Roman Bürkis Ding. „Er ist ein Asket. Vielleicht bekommt er ein Bircher-Müsli“, sagte Mats Hummels über den „Superhelden“ im Dortmunder Tor, der seine Weltklasse-Flugshow zunächst so nüchtern kommentierte, als ginge es um seine Steuererklärung. „Ach, ich trinke ja keinen Alkohol. Ich will nur ins Bett und ausschlafen. Mir tut alles weh.“

Eine Mütze Schlaf und Haferflocken vor dem Morgentraining hatte sich der Matchwinner beim zittrigen 2:1 (1:1) gegen Slavia Prag mehr als verdient. Er flog, hechtete, boxte, fing – es war dem Schweizer (und dem FC Barcelona) zu verdanken, dass der BVB doch noch ins Achtelfinale der Champions League einzog. „Das waren fünf, sechs, sieben Weltklasse-Paraden“, schwärmte Hummels, Kapitän Marco Reus nannte die Reflexe „sensationell“. Weil Bürki „einfach unglaublich“ (Lucien Favre) hielt und Barcelona mit einer B-Elf ganz unverhofft bei Inter Mailand gewann (2:1), durften die BVB-Profis zu „Europapokal“-Gesängen vor der Südtribüne tanzen. Da machte selbst Bürki mit und bekam mächtig Gänsehaut: „Ich musste mich zusammenreißen, dass keine Träne kommt. Daran werde ich mich mein Leben lang erinnern.“

Die „riesige Erleichterung“ (Bürki) griff schnell um sich. Magische Nächte und fürstliche Einnahmen sind in der Königsklasse weiter garantiert, am Montag liegen für den BVB große Gegner und zwei Ex-Trainer im Topf: Jürgen Klopp mit dem FC Liverpool und Thomas Tuchel mit Paris St. Germain. Weitere Möglichkeiten sind Manchester City, Juventus Turin – und der Wunschgegner von Sebastian Kehl. „Der FC Valencia wäre sicher der einfachste. Aber egal, wer: Wir sind überglücklich“, sagte der Chef der Lizenzspieler-Abteilung.



Der BVB wackelte und wankte gegen Prag bedenklich. Doch er biss sich durch. Das soll nun auch einen Schub für die Bundesliga geben, in der es noch nicht so rund läuft. „Es ist wirklich top. Vor ein paar Wochen sah noch alles ganz anders aus“, sagte Siegtorschütze Julian Brandt, der wieder auf seiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld gespielt hatte: „Jetzt überwinterst du im Pokal und überwinterst in der Champions League.“ Bürki rief seine Mitspieler dazu auf, den Rücken durchzudrücken. „Wir dürfen uns nicht kleiner machen, als wir sind“, forderte er: „Wir haben eine Top-Gruppe in der Champions League überstanden und können selbstbewusst auftreten.“ Auch und besonders in den drei letzten Ligaspielen des Jahres beim FSV Mainz 05, gegen RB Leipzig und bei der TSG Hoffenheim.

Mats Hummels schrieb einen Teil der jüngsten Erfolge auch seinem Trainer zu. Favre, zuvor zögerlich-zurückhaltend, sei „emotionaler und energischer geworden, das überträgt sich auch auf uns“, berichtete der Abwehrchef. Der Schweizer habe sein Training und die Ansprache an das Team verändert: „Damit hat er uns absolut auf den richtigen Weg gebracht.“

Ohne ihren Torhüter jedoch „wären wir keine Runde weiter“, stellte Kehl richtigerweise fest. Im Februar und März muss sich der BVB gegen einen größeren Gegner als den wackeren tschechischen Meister deutlich stabiler präsentieren. Bürki wird dann womöglich wieder fliegen wie ein Superheld.