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Fußball-Bundesliga
Wie eine kleine Wachablösung

Die Videowand im Dortmunder Stadion zeigt es an: BVB-Stürmer Paco Alcácer (rechts) hat gerade das 3:2 gegen den FC Bayern München erzielt. Damit hat Dortmund schon sieben Punkte Vorsprung auf den Meister.
Die Videowand im Dortmunder Stadion zeigt es an: BVB-Stürmer Paco Alcácer (rechts) hat gerade das 3:2 gegen den FC Bayern München erzielt. Damit hat Dortmund schon sieben Punkte Vorsprung auf den Meister. FOTO: dpa / Ina Fassbender
Dortmund. Borussia Dortmund hat nach dem 3:2 gegen die Bayern schon sieben Punkte Vorsprung auf den Titelverteidiger. sid

Marco Reus blickte lächelnd immer wieder auf die Tabelle. In den Chor der lautstark von der Meisterschaft singenden Fans auf der bebenden Südtribüne wollte der überragende Kapitän von Borussia Dortmund zwar noch nicht einstimmen. Doch angesichts von sieben Punkten Vorsprung auf Rekordmeister Bayern München hat sich die Ausgangslage verändert: Die Mentalitätsmonster des BVB sind nach einem Saisondrittel der Titelanwärter Nummer eins.

„Sie sind titelfähig“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. Dortmund habe eine andere Stabilität als in der vergangenen Saison, stellte der Bundestrainer nach dem 3:2 (0:1)-Erfolg der Dortmunder im Liga-Gipfel beeindruckt fest. Die Erinnerungen an die goldene Klopp-Ära kommen zwangsläufig. Dem konnte sich auch Doppeltorschütze Reus (49, Foulelfmeter/67.) nach einem emotionalen Fußballabend nicht entziehen, an dem die Borussia zum vierten Mal in dieser Bundesligasaison nach einem Rückstand den Platz als Sieger verließ. „Wenn du sieben Punkte vorne liegst, ist es schwer zu sagen, dass wir nicht dahingehören. Wenn wir so spielen, wird es schwer, uns zu schlagen“, sagte der sich in der Form seines Lebens befindende Offensivstar.

Die Art und Weise wie die Mannschaft von Trainer Lucien Favre derzeit mit ihrem beeindruckenden Tempo-Fußball die Bundesliga verzückt, lässt alle rund um den Borsigplatz vom neunten Meistertitel träumen. Trotz einer schwachen ersten Halbzeit und eines zweimaligen Rückstands behielt die von Reus und Axel Witsel so glänzend geführte Mannschaft die Ruhe und schaltete noch einmal einen Gang hoch, als die Bayern schwächelten.



Der zurückhaltende Favre gönnte sich nach dem Festtag im Gegensatz zu sonstigen Gewohnheiten „ein Glas Rotwein“. Mit der Einwechslung des Siegtorschützen Paco Alcácer (73.) hatte der Schweizer wieder einmal ein goldenes Händchen bewiesen. Im 17. Pflichtspiel erzielte der BVB bereits sein 18. Jokertor.

Wie begossene Pudel schritten derweil Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß nach dem Spiel über das Spielfeld auf die Katakomben zu, von der Dortmunder Südtribüne schallte ihnen dabei ein gellendes Pfeifkonzert entgegen. „Begossen“ war wörtlich zu nehmen: Während des Spiels hatten der Clubvorstand und der Präsident von Bayern München eine Bierdusche abbekommen, die vor allem Rummenigge sichtlich wüten ließ.

Unzufriedenheit herrschte beim deutschen Rekordmeister jedoch keineswegs. Nach den erschreckend ideenlosen Auftritten der letzten Wochen präsentierte sich der FC Bayern verbessert und dominierte das Spiel vor allem in der ersten Halbzeit. „Unsere Mannschaft hat sehr gut gespielt und zweimal geführt. Man kann ihr keinen Vorwurf machen“, sagte Vorstandsboss Rummenigge. Sportdirektor Hasan Salihamidzic lobte den Charakter der Mannschaft als „sensationell“.

Trotz des Lobes: Erneut gaben die Bayern ein Spiel aus der Hand, erneut gab es zu viele individuelle Fehler. Nach der Führung durch Robert Lewandowski (26.) verloren die Münchner in der zweiten Halbzeit die Kontrolle über das Spiel. Den Strafstoßtreffer von Marco Reus (49.) konterte Lewandowski zur erneuten Führung (52.). Doch wieder Reus (67.) und Alcácer (73.) drehten das Spiel. Trainer Niko Kovac bemängelte das naive Verhalten seiner Mannschaft. „In so einem Stadion muss man nicht immer hinten rausspielen wollen, sondern auch mal lange Bälle spielen“, sagte der 46-Jährige, der das gesamte Spiel auf Spielmacher James verzichtete. Berichte, wonach der Kolumbianer am Freitag zu spät zum Treffpunkt erschienen sein soll, bezeichnete Salihamidzic als „Fehlinformation“.