| 20:23 Uhr

Biathlon-WM in Antholz
Herrmann bricht den Bann

 Vizeweltmeisterin Denise Herrmann (rechts) gratuliert der Gewinnerin Dorothea Wierer, die vor ihrem Heimpublikum siegte.
Vizeweltmeisterin Denise Herrmann (rechts) gratuliert der Gewinnerin Dorothea Wierer, die vor ihrem Heimpublikum siegte. FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
Antholz. Biathletin sorgt bei WM mit Silber im Jagdrennen für die erste deutsche Medaille. Ärger um russischen Sprint-Weltmeister Loginow. sid

Erst holte sich Denise Herrmann nach einem famosen Rennen den verdienten Kuss von ihrem Freund, dem Langläufer Thomas Wick, ab, dann hüpfte sie mit einem breiten Grinsen aufs Podium. „Ich bin sehr, sehr zufrieden und überglücklich“, sagte die strahlende Herrmann, nachdem sie dank einer taktischen Meisterleistung in der Verfolgung über 10 Kilometer zu Silber gestürmt war. Damit bescherte sie dem Deutschen Skiverband (DSV) bei der Biathlon-WM in Antholz die ersehnte erste Medaille.

„Das ist super. Das gibt dem Team einen richtigen Ruck“, sagte die zweimalige Olympiasiegerin Laura Dahlmeier. Die deutschen Männer warten hingegen immer noch auf Edelmetall in Südtirol – nach Platz sieben im Sprint sorgte Arnd Peiffer auch in der Verfolgung als Fünfter für das beste deutsche Resultat. Der Sieg ging an den fehlerfreien Franzosen Emilien Jacquelin, der sich vor dem norwegischen Dominator Johannes Thingnes Bö und dem umstrittenen Ex-Doper und Sprint-Weltmeister Alexander Loginow (Russland) durchsetzte.

Trotz der schlechtesten Medaillenausbeute des DSV nach dem ersten WM-Wochenende seit sieben Jahren sorgte vor allem Herrmann für einen Mutmacher für die zweite Woche der Titelkämpfe. Zuvor war sie nach Wacklern am Schießstand schon zweimal knapp an den Medaillen vorbeigeschrammt – mit der Mixed-Staffel gab es Platz vier, im Sprint Rang fünf. In der Verfolgung ging dann fast alles auf. Im entscheidenden Moment gelang der Titelverteidigerin ein taktischer Coup. Herrmann wartete bis zum letzten Anstieg, dann zog sie an der Norwegerin Marte Olsbu Röiseland vorbei. „Ich habe auf meine Sprintqualitäten vertraut“, sagte die 31-Jährige.



Nach drei Schießfehlern lag Herrmann im Ziel 9,5 Sekunden hinter der neuen Weltmeisterin Dorothea Wierer (Italien/1). Mit einem fehlerfreien letzten Stehendanschlag wäre sogar mehr drin gewesen. „Der letzte Schuss war schade, weil der arschknapp vorbei war. Dann wäre es vielleicht wirklich noch um Gold gegangen“, haderte Frauen-Trainer Kristian Mehringer. Im Schatten von Herrmann durften auch Vanessa Hinz (Schliersee/1) als Fünfte und Franziska Preuß (Haag/2) auf Platz sieben Spitzenresultate bejubeln. „Jetzt fällt erst mal die erste Last ab“, sagte Mehringer vor dem Ruhetag am Montag erleichtert. Der Kampf um Medaillen wird erst am Dienstag mit dem Einzelrennen der Frauen (14.15 Uhr/ARD) fortgesetzt.

Für den Aufreger des Wochenendes hatte zuvor der WM-Titel im Sprint von Loginow gesorgt. Loginow war 2014 des Epo-Dopings überführt und für zwei Jahre gesperrt worden. Es schwinge „natürlich ein gewisser Verdacht mit, weil der Kollege Loginow schon einmal wegen Epo-Missbrauchs gesperrt war. Und jetzt ist er wieder auf einem Niveau wie zu den Zeiten, als er diesen Epo-Missbrauch durchgeführt hat. Da ist natürlich schon immer ein bisschen ein Geschmäckle dabei“, sagte Arnd Peiffer. Andererseits müsse „man die Unschuldsvermutung walten lassen. Das fällt nicht immer leicht.“ Wenige Stunden vor Loginows unrühmlichem Erfolg hatte der Weltverband IBU Jewgeni Ustjugow, 2014 Olympiasieger mit der russischen Staffel, des Dopings für schuldig befunden. Damit könnten Erik Lesser, Daniel Böhm, Peiffer und Simon Schempp nachträglich Olympia-Gold von Sotschi bekommen.