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Alpin-Saison beginnt
Die Suche nach dem sechsten Gang

Levi. Lange wurden die deutschen Slalom-Frauen von Höfl-Riesch-Erfolgen verwöhnt. dpa

Mit Regen und der gewohnten Dunkelheit am Polarkreis wurde das deutsche Skiteam im hohen Norden empfangen. Meteorologisch kann Frauen-Bundestrainer Jürgen Graller das verkraften – sportlich hofft er beim Slalom an diesem Samstag (10.15/13.15 Uhr) im finnischen Levi auf einen freundlicheren Nachmittag als zuletzt. Seit dem Karriereende von Maria Höfl-Riesch 2014 ist der Torlauf der Frauen die Sorgendisziplin im Deutschen Skiverband (DSV), nun beginnt in Lappland die nächste Wiedergutmachungs-Saison.

„Ich bin überzeugt, dass es klappt“, sagte Graller und hofft, dass der Knoten bei seinen Routiniers Lena Dürr und Christina Geiger endlich platzt. Aber:„Wunderdinge zu erwarten, das wäre vermessen.“ Am heutigen Mittwoch geht es nach Levi. Graller meint, dass die besten fünf Slalomfahrerinnen der Welt, angeführt von Seriensiegerin Mikaela Shiffrin aus den USA, „in einer eigenen Kategorie“ fahren: „Aber ab den Plätzen sechs bis sieben ist es ein Thema für Lena und Tina.“ Nur landen die beiden dort zu selten.

Die Ursachenforschung bei der 27-jährigen Dürr und ihrer ein halbes Jahr älteren Teamkollegin Geiger findet meist ein Körperteil als Grund der vielen Enttäuschungen: den Kopf. „Es geht einfach darum, am Start zu stehen und es sich zuzutrauen“, sagte der Österreicher Graller: „Für mich ist das Kopfsache.“



Die Voraussetzungen sind nämlich nicht schlecht, beide Sportlerinnen können technisch sauber und schnell Skifahren und landeten just in Levi in ihren Karrieren bereits auf dem zufriedenstellenden sechsten Platz: Dürr im Vorjahr, Geiger 2013. Weil beide aber innerlich viel zu oft blockieren, sind Top-Zehn-Platzierungen kein Standard. Geiger etwa müsse sich „mehr am Limit bewegen“, analysierte Graller und erklärte: „Es ist, wie wenn ein Auto sechs Gänge hat, aber man nur den vierten Gang benutzt.“

Die bislang letzte deutsche Vollgas-Slalomfahrerin war Höfl-Riesch, ein Star ihrer Kategorie ist in Deutschland nicht in Sicht. „Man kann sich viel erarbeiten mit einem guten System und einer guten Infrastruktur“, erklärte Graller. „Aber am Ende brauchst du einen Sportler-Typen, der sagt: Ich will das Ding hier und jetzt rocken!“ Vom Karriereende der dreimaligen Olympiasiegerin, die 2014 zuletzt am Start stand, hat sich das deutsche Slalomteam noch immer nicht erholt.