| 22:52 Uhr

Sommermärchen-Affäre
Beckenbauer setzt sich noch einmal zur Wehr

Franz Beckenbauer wurde mit dem „Bayerischen Sportpreis 2018“ ausgezeichnet, hier im Bild mit seinem Lautator Günter Netzer (rechts).
Franz Beckenbauer wurde mit dem „Bayerischen Sportpreis 2018“ ausgezeichnet, hier im Bild mit seinem Lautator Günter Netzer (rechts). FOTO: dpa / Felix Hörhager
München. Franz Beckenbauer wurde am Samstag bei der Verleihung des Bayerischen Sportpreises als Jahrhundertsportler ausgezeichnet. Doch auch ein dunkles Kapitel wurde aufgeschlagen.

Franz Beckenbauer scherzte mit alten Weggefährten und lachte viel, dem dunkelsten Kapitel in seinem Leben konnte er an diesem feierlichen Abend jedoch nicht entfliehen. „Erstunken und erlogen“, sagte Beckenbauer in Richtung seiner Kritiker, seien all die Geschichten um seine Rolle im noch immer ungeklärten Sommermärchen-Skandal. Die Auszeichnung als Bayerischer Jahrhundertsportler? War plötzlich Nebensache. Beckenbauer hatte sicherlich geahnt, dass die WM 2006 und ihre nebulösen Randerscheinungen bei der Verleihung des Bayerischen Sportpreises Thema sein würden. Vermutlich war der 72-Jährige auch deshalb bestens vorbereitet. Beckenbauer trat ähnlich entspannt auf wie zu aktiven Zeiten als lässiger Libero, die drängendsten Fragen zur Karriere nach der Karriere schienen ihm wenig anhaben zu können.

„Ich habe den Leuten Auskunft gegeben, die es von mir verlangt haben“, sagte Beckenbauer, der sich über die wichtigste Frage der ganzen Geschichte aber (zumindest öffentlich) weiterhin ausschweigt: Warum flossen über diffuse Wege 6,7 Millionen Euro von Deutschland nach Katar? Der DFB hatte diese Summe ein Jahr vor der Heim-WM über die FIFA auf ein Konto des ehemaligen adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus gezahlt. Drei Jahre zuvor war die gleiche Summe über ein kompliziertes Konstrukt, an dem Beckenbauer allem Anschein nach maßgeblich beteiligt gewesen war, an den ehemaligen Skandalfunktionär Mohamed Bin Hammam in Katar geflossen. Der damalige WM-OK-Chef Beckenbauer, soviel scheint sicher, hatte den Deal eingefädelt.

Kein Wunder also, dass sich auch zwölf Jahre nach der Endrunde, für deren Erfolg Beckenbauer gefeiert wurde, zahlreiche Gerüchte um dessen Rolle ranken. In den seltensten Fällen sind diese positiv, aber das macht dem „Kaiser“ angeblich nichts mehr aus. „Man bildet sich sein eigenes Bild, da hast du dann überhaupt keine Möglichkeit dagegen vorzugehen“, sagte Beckenbauer. Deshalb habe er „dann auch aufgegeben“, für die seiner Meinung nach richtigen Ansichten zu kämpfen. Immerhin: Die ehemaligen Begleiter stehen ebenso zu ihm wie zahlreiche der prominenten Gäste, die auch seinetwegen in die BMW Welt nach München gekommen waren. „Er war vor seiner Zeit der Beste, während seiner Zeit der Beste und auch nach ihm ist nichts Besseres gekommen“, sagte Günter Netzer, der mit Beckenbauer 1974 den WM-Triumph im eigenen Land gefeiert hatte, während seiner Laudatio. Paul Breitner, ebenfalls Teil der Weltmeister-Mannschaft, schloss sich dieser Einschätzung an. „Die Bezeichnung Jahrhundertsportler wird all dem gerecht, was Franz in den vergangenen 50 Jahren für den deutschen Fußball und Deutschland als Repräsentant getan hat“, sagte er.



(SID)