| 21:14 Uhr

Europa League
Herrlichs Stuhl wackelt trotz des 4:2

Leverkusen. Bayer Leverkusen mit schwacher Vorstellung bei Heimsieg gegen Larnaka. sid

Heiko Herrlich lief nach Abpfiff direkt zu seinem Matchwinner Lucas Alario und bedankte sich erleichtert. Der argentinische Stürmer führte Bayer Leverkusen in der Europa League nach seiner Einwechslung mit einem Doppelpack zum 4:2 (1:1)-Sieg gegen Außenseiter AEK Larnaka und sicherte seinem Coach damit zunächst den Job. Die Werkself blieb am Donnerstagabend allerdings trotz der erfolgreich verteidigten Tabellenführung einmal mehr den Beweis ihrer Klasse schuldig.

„Wir freuen uns über sechs Punkte und tanken durch den Sieg Selbstvertrauen“, spielte Herrlich die neuerlichen Mängel herunter und verlor kein Wort zu seiner persönlichen Situation. Die allgemeine Anspannung im Leverkusener Lager brachte dafür Stürmer Kevin Volland zum Ausdruck: „Das war kein Selbstläufer, aber in unserer Situation ist jeder Sieg wichtig für den Kopf.“

Unter dem Bayer-Kreuz wird trotz des Sieges durch Herrlichs „goldenes Händchen“ die Luft für den Coach angesichts der weitgehend leblosen Vorstellung gegen Zyperns Pokalsieger immer dünner. Sollte der 46-Jährige an diesem Sonntag (13.30 Uhr) mit dem selbsternannten Champions-League-Aspiranten in der Bundesliga beim SC Freiburg leer ausgehen, droht dem Ex-Profi in der Länderspielpause der Rausschmiss. Mit Ralph Hasenhüttl (zuletzt RB Leipzig) steht angeblich schon ein Nachfolger parat.



AEK-Kapitän Ivan Trickovski brachte den Außenseiter in der 25. Minute überraschend in Führung. Doch Kai Havertz (44.) mit seinem dritten Saisontreffer im laufenden Wettbewerb sowie die „Joker“ Alario mit dem entscheidenden Doppelpack (49. und 88.) und Julian Brandt (90.+2) bewahrten Bayer anschließend trotz des zweiten Gästetreffers durch Dimitris Raspas (90.+1) vor einer Blamage. Fünf Tage nach dem 2:4 gegen Borussia Dortmund musste sich Bayer aber vor der Pause erneut Pfiffe seiner eigenen Anhänger gefallen lassen: Gegen den krassen Außenseiter offenbarten die Hausherren erneut viele Schwächen. Die Bayer-Profis wirkten in vielen Szenen verkrampft und verunsichert.

Vor 23 354 Zuschauern hatte Lars Bender früh zwei gute Chancen, dabei hatte der Kapitän mit einem Pfostenschuss Pech. Danach hielten die Gäste jedoch gut mit und nutzten einen groben Fehler in der Bayer-Defensive zur Führung Senkrechtstarter Havertz, der bereits beim 3:2 zum Europa-League-Auftakt in Bulgarien bei Ludogorets Razgrad zweimal getroffen hatte, gelang noch vor der Pause der erlösende Ausgleich.

Nach der Pause übernahm Bayer das Kommando und kam schon früh durch den kurz zuvor eingewechselten Alario zur 2:1-Führung. Die Zyprioten hielten aber weiter ordentlich mit und hatten durchaus Möglichkeiten zum Ausgleich, was die Fans ungeduldig werden ließ.