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Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger
Eine letzte Rückkehr des Fußball-Gottes

Gefragt wie eh und je: Bastian Schweinsteiger war mit seinem Club Chicago Fire zu Gast auf dem Trainingsgelände des FC Bayern. Autogramm- und Fotowünsche erfüllte er vor seinem Abschiedsspiel heute Abend geduldig.
Gefragt wie eh und je: Bastian Schweinsteiger war mit seinem Club Chicago Fire zu Gast auf dem Trainingsgelände des FC Bayern. Autogramm- und Fotowünsche erfüllte er vor seinem Abschiedsspiel heute Abend geduldig. FOTO: dpa / Sven Hoppe
München. Bastian Schweinsteiger erhielt gestern den bayerischen Verdienstorden, heute bekommt er sein Abschiedsspiel bei Bayern München. sid

Vor dem Marmorsaal des Prinz-Carl-Palais wartete das Empfangskomitee: Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge. Als schließlich der Hauptdarsteller Bastian Schweinsteiger an der Seite des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder kam, war eine herzliche Umarmung unumgänglich. „Ich bin überwältigt“, sagte der Weltmeister von 2014 dann bei der Verleihung des Bayerischen Verdienstordens vor seinem Abschiedsspiel heute Abend (20.30 Uhr/RTL).

Mit seinem aktuellen Club Chicago Fire trifft der 34-Jährige auf den deutschen Rekordmeister. Und in den Vereinigten Staaten, das räumte Schweinsteiger ein, da vermisse er München schon sehr. „Freunde und Familie. Die Berge. Und Kaiserschmarrn. Auf den Kaiserschmarrn letzten Winter kurz vor Weihnachten, als ich zum letzten Mal zu Hause war, habe ich mich lange gefreut. Oder auch Germknödl, mit Vanillesauce und ein bisschen Mohn. Ach . . .“, erzählte er.

Seit einigen Tagen kann er die Heimat mal wieder in vollen Zügen genießen und wird von einem Termin zum nächsten gereicht. „Bayern ist ein Lebensgefühl“, sagte der jüngste der im Höchstfall 2000 Ordensträger: „Ich nehme den Orden im Namen aller Bayern-Fans, den hätten viele andere auch verdient.“



Den Anhängern gefällt gewiss auch, dass Schweinsteiger je eine Halbzeit in beiden Teams absolvieren wird. Eine Herzensangelegenheit ist ihm das Spiel ohnehin. Seit seinem letzten Auftritt im Bayern-Trikot am 23. Mai 2015 (2:0 gegen Mainz) sei er nicht mehr in der Münchner Arena gewesen. „Damals hatte ich nicht die Möglichkeit, mich zu verabschieden. Deswegen bin ich dem FC Bayern sehr dankbar“, betonte er. Er freue sich „wahnsinnig“.

500 Spiele absolvierte Schwein­steiger, der als 13-Jähriger vom kleinen FV Oberaudorf an die Säbener Straße gekommen war, für die Münchner. 2012 verlor er das „Finale dahoam“, 2013 gewann er das historische Triple, 2015 wechselte er nach 17 Jahren, in denen er Kultstatus erreichte, zu Manchester United. Beim FC Bayern gibt es zwar Idole wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Hoeneß – aber eben nur einen „Fußball-Gott“: Schweinsteiger.

2016 hatte er nach 121 Länderspielen und dem WM-Titel 2014 schon in der Nationalmannschaft seinen Abschied gefeiert. Da habe er unterschätzt, „wie emotional ich reagieren würde“. Deshalb dürfte es auch heute die ein oder andere Träne bei Schweinsteiger geben: „Da werden schon Erinnerungen hochkommen. Die Anfänge, die Erfolge, die Erlebnisse. Es war eine großartige Zeit. Der FC Bayern ist immer in meinem Herzen.“

Die Popularität in München hat aber auch ihren Preis. Hier könne er „nicht ohne Cap und Sonnenbrille rumlaufen“. In Chicago, wo er seit 2017 mit seiner Ehefrau Ana Ivanovic und Söhnchen Luka lebt, könne er das schon. „Meine Frau wird eigentlich mehr erkannt als ich – sie ist ja auch ein bisschen hübscher. Deswegen gehen wir immer getrennt: Sie geht vorneweg, ich hinterher“, sagt Schweinsteiger und lacht.

Er genießt sein Leben, auch wenn es sportlich mit Fire nicht besonders gut läuft. Das kann einer wie er, der alles erreicht hat, verschmerzen. Schweinsteiger ist vielmehr wichtig, „dass ich mich körperlich gut fühle. Es macht mir jeden Tag Spaß, zum Training zu fahren. Ich spiele jedes Spiel.“ Zwei, drei Jahre könne es schon noch gehen, „aber ich schaue von Jahr zu Jahr“.

Und danach? „Wahrscheinlich werde ich mich erst mal zurückziehen und Zeit mit meiner Frau und meinem Sohn verbringen. Natürlich werde ich dem Fußball verbunden bleiben. Aber erst einmal will ich runterkommen“, sagt Schwein­steiger.

Bis er aber endgültig Servus sagt, sei für ihn „das Allerwichtigste, ein Beispiel zu sein für kleine Kinder und Jugendliche, die Fußball spielen. Ich bin oft hingefallen in meiner Karriere und musste dann den steinigen Weg gehen, um nach ganz oben zu kommen.“

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (rechts) hat den bayerischen Verdienstorden an Bastian Schwein­steiger verliehen.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (rechts) hat den bayerischen Verdienstorden an Bastian Schwein­steiger verliehen. FOTO: dpa / Sven Hoppe