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Basketballtrainer aus Zufall

Marco Amelow, der neue Trainer der Saar-Pfalz Braves. Foto: Rolf Ruppenthal
Marco Amelow, der neue Trainer der Saar-Pfalz Braves. Foto: Rolf Ruppenthal
Homburg. Mit einem Schmunzeln verfolgt Marco Amelow das Wortgefecht zwischen Kosta Karamatskos und Lee Jeka am Ende der Übungseinheit. Die beiden Spieler der Saar-Pfalz Braves feilschen um den Trainingsbeginn am Abend, während sich der neue Trainer das Spektakel amüsiert ansieht. Schließlich tragen sie die Sache aus, wie es sich für Basketballer gehört - sie werfen darum Von Merkur-Mitarbeiter Henning Jochum

Homburg. Mit einem Schmunzeln verfolgt Marco Amelow das Wortgefecht zwischen Kosta Karamatskos und Lee Jeka am Ende der Übungseinheit. Die beiden Spieler der Saar-Pfalz Braves feilschen um den Trainingsbeginn am Abend, während sich der neue Trainer das Spektakel amüsiert ansieht. Schließlich tragen sie die Sache aus, wie es sich für Basketballer gehört - sie werfen darum. Karamatskos trifft keinen seiner vier Versuche aus zehn Metern, Spielmacher Jeka unter dem Gejohle seiner Teamkameraden gleich den zweiten.

Lockerheit ist zurück

Die Lockerheit ist nach der sportlichen Talfahrt in der Vorrunde scheinbar zurückgekehrt - auch weil sie vom Nachfolger des Anfang Dezember entlassenen Nenad Josipovic vorgelebt wird. Seit dem Trainingsauftakt am 29. Dezember schwingt Amelow das Zepter bei den Braves. Dass er überhaupt einmal das Zepter eines Basketball-Clubs schwingen würde, war für ihn bis Anfang 20 undenkbar. Denn bis dahin hatte er mit diesem Sport kurioserweise nichts am Hut. "Ich habe nie selbst Basketball, sondern Handball gespielt", gesteht der 37-Jährige. "In meinem Heimatort bei Berlin gab es keinen Basketball-Verein."



Doch dann zog es den gelernten Kommunikationskaufmann beruflich nach Bayreuth - und per Zufall landete er 1996 beim dort ansässigen BBC. "Ein Freund bat mich um Hilfe bei der Jugendmannschaft. Irgendwann bin nur noch ich übrig geblieben, und anscheinend hatte ich auch etwas Talent", blickt Amelow schmunzelnd zurück. Schließlich stieg er zum Assistent von Bruce Enns auf, dem damaligen Trainer des Zweitliga-Teams. Nach dessen Rücktritt im Februar 2001 bekam Amelow seine Chance. "Wir standen relativ sicher in der Tabelle, weswegen ich es vorerst ein paar Wochen machen sollte. Ich war ja erst 27, doch die Spieler haben mich akzeptiert", erzählt der Vater eines dreijährigen Sohnes.

Aus den paar Wochen wurden schließlich sieben Jahre, bevor er 2008 zurücktrat. "Die Saison war eigentlich nicht so schlecht, aber ich wollte auch nicht auf Teufel komm raus im Amt bleiben. Es war schon gut, etwas Neues anzufangen", sagt Amelow. Das Neue fand er nur wenig später in Luxemburg beim Erstligisten AB Contern. Gleich in der ersten Saison 2008/09 wurde er mit seiner Mannschaft Meister und kam ins Pokalfinale. Doch im zweiten Jahr traf der Manager einige Entscheidungen über seinen Kopf, indem er verschiedene Akteure verpflichtete und entließ. Die Lage gipfelte schließlich darin, dass die Spieler nicht mehr antreten wollten. "Sie standen alle hinter mir. Letztlich sind wir dann doch aufgelaufen, haben aber dementsprechend gespielt, 60:120 verloren, und ich war weg", klärt er kopfschüttelnd über die chaotischen Verhältnisse im Großherzogtum auf.

Nach eineinhalb Jahren Auszeit, währenddessen er bei den Bundesligisten BG Göttingen, Telekom Baskets Bonn und Fraport Skyliners Frankfurt hospitierte, kam nun das Angebot von Braves-Manager Stephan Seile. "Wir sind schon lange Jahre befreundet, weswegen wir eine Zusammenarbeit eigentlich vermeiden wollten", erklärt Amelow lachend. Doch nun hat er bis Saisonende unterschrieben und soll die Homburger noch in die Playoffs führen. "Mal sehen, wie die kommenden Monate laufen. Wenn wir Erfolg haben, geht es vielleicht weiter", ist Amelow gegenüber einem längeren Engagement nicht abgeneigt.

Der Tabellen-13. hat derzeit sechs Punkte Rückstand auf den achten und damit letzten Endrunden-Platz. Ein Sieg bei den Cuxhaven Bascats am Samstag (16.30 Uhr) zum Auftakt im Jahr 2012 wäre ein Anfang - und würde nicht nur für gute Laune im Training sorgen.