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Auf allen Vieren den Berg hoch

Geschafft, aber überglücklich, präsentiert Stefan Jung sein Zieleinlauf-Trikot nach dem Extremlauf über 100 Kilometer in Grainau. Foto: Privat
Geschafft, aber überglücklich, präsentiert Stefan Jung sein Zieleinlauf-Trikot nach dem Extremlauf über 100 Kilometer in Grainau. Foto: Privat
Böckweiler/Grainau. Die Ungereimtheiten eines Extremlaufes über 100 Kilometer hat am Wochenende Stefan Jung aus Böckweiler beim Salomon-Zugspitz- Trail schmerzlich erfahren. Der 31-jährige Böckweiler ist nach knapp 30 Kilometern auf einer großen Schneepassage ausgerutscht und auf dem Gesäß hinabgeschlittert, ehe er mit seinem Rucksack an einem Stein hängenblieb Von Merkur-Redakteur Werner Kipper

Böckweiler/Grainau. Die Ungereimtheiten eines Extremlaufes über 100 Kilometer hat am Wochenende Stefan Jung aus Böckweiler beim Salomon-Zugspitz- Trail schmerzlich erfahren. Der 31-jährige Böckweiler ist nach knapp 30 Kilometern auf einer großen Schneepassage ausgerutscht und auf dem Gesäß hinabgeschlittert, ehe er mit seinem Rucksack an einem Stein hängenblieb. Trotz sofortiger Hilfsmaßnahmen durch die Guides und nur leichter Schürfwunden hatte der Angestellte im Polizeidienst der US-Airforce in Kaiserslautern ab diesem Zeitpunkt "die Hosen voll" (Jung).

Dieser Sturz, der letztlich glimpflich ablief, brachte den gebürtigen Homburger völlig aus dem Gleichgewicht. "Ab diesem Augenblick lief die Angst mit", erklärte er. Bei allen künftigen Bergpassagen, schließlich waren rund 5400 Höhenmeter zu überwinden, "lief ich defensiv und nahm das Tempo raus", um nicht erneut abzustürzen. Diese unglückliche Begebenheit warf den ganzen Zeitplan des früheren Judoka und Fußballers über den Haufen, der Rhythmus war verloren. Zumal die Witterungsbedingungen in den Bergen alles andere als optimal waren, da die Teilnehmer wiederholt durch Nebelbänke und Wolken ab einer bestimmten Höhe drei Mal durch das Zugspitzmassiv laufen mussten. "So schwierig hatte ich mir das nicht vorgestellt", bekannte er im Rückblick. "Teilweise musste ich auf allen Vieren die Skipisten hochklettern, so steil waren die Passagen." Das habe er nach dem ersten Vorfall alleine schon aus Sicherheitsgründen gemacht. "Ich habe mir nichts mehr zugetraut. Vielleicht hätte ich alpine Skistöcke mitnehmen sollen."



Zeitplan aus den Fugen

Die Folge war, dass der Zeitplan des 31-Jährigen völlig aus den Fugen geriet. Statt der angestrebten 16 Stunden kam er erst nach 20:41 Stunden am Sonntag gegen vier Uhr bei Start und Ziel in Grainau an, wo er am Samstag gegen 7.15 Uhr gestartet war. Dass er sich seine Kräfte gut eingeteilt hatte - "Kraft hatte ich genug" - erkannte er auf den letzten drei flachen Kilometern zum Zieleinlauf, die er mit einer Durchschnittszeit von 4:45 Minuten bewältigte. "Im Ziel habe ich mir erst mal eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen gegönnt."

Mit seinem Abschneiden unter ursprünglich 430 Teilnehmer - "viele haben aufgegeben" - ist Stefan Jung zufrieden. Bei der Kategorie Männer belegte er den 56. Platz, während er in der Gesamtwertung 151-ter wurde.

In dieser Woche gönnte sich Stefan Jung eine kleine Atempause. "Ich habe eine Auszeit von zwei bis drei Tagen mit Dehnen und Massagen eingelegt." Aber bereits in der kommenden Woche will er mit den Vorbereitungen auf sein großes Ziel "The Coastel Challenge" in Costa Rica Anfang 2014 beginnen. Dabei handelt es sich um einen sechstägigen Lauf durch den Dschungel über rund 250 Kilometer.