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120 Millionen zu wenig?
Griezmann-Wechsel zu Barcelona (fast) perfekt

 Antoine Griezmann hat gut Lachen. Er hat seinen Wechselwunsch offenbar durchgesetzt.   Foto: Ena/AP
Antoine Griezmann hat gut Lachen. Er hat seinen Wechselwunsch offenbar durchgesetzt. Foto: Ena/AP FOTO: AP / Christophe Ena
Barcelona. Der internationale Transfermarkt könnte jetzt deutlich Fahrt aufnehmen. Aber: aus Sicht vom Atleticos Madrid ist der Transfer noch nicht endgültig abgewickelt.

Der erste Dominostein ist gefallen: Nach einem wochenlangen Transfer-Hickhack ist der Wechsel von Antoine Griezmann von Atletico Madrid zum FC Barcelona perfekt – zumindest nach Angaben der Katalanen. Barca bestätigte am gestrigen Freitag die Verpflichtung des französischen Weltmeisters, nachdem zuvor die festgeschriebene 120-Millionen-Euro-Ablöse für den französischen Weltmeister bezahlt worden war.

Aus Sicht Atleticos ist der Transfer jedoch noch nicht endgültig abgewickelt. Der Klub teilte nach Barcas Bekanntgabe in einer Mitteilung mit, dass die Ablöse in Höhe von 120 Millionen Euro „unzureichend“ für Griezmanns Transfer sei. Nach Angaben des Hauptstadt-Klubs habe Barca mit Griezmann bereits eine Einigung erzielt, bevor Anfang Juli die festgeschriebene Ablösesumme von 200 auf 120 Millionen Euro gesunken ist. Der 28 Jahre alte Angreifer unterzeichnete einen Fünfjahresvertrag. Der Kontrakt beinhaltet eine Ausstiegsklausel über 800 Millionen Euro.

Der Transfer dürfte nun eine Kettenreaktion auf dem internationalen Transfermarkt in Gang setzen. Bereits Mitte Mai hatte Griezmann angekündigt, von seiner Ausstiegsklausel Gebrauch zu machen und Atletico trotz seines bis 2023 laufenden Vertrages nach fünf Jahren zu verlassen. Was folgte, war eine schier endlose Wechsel-Posse.



Zündstoff lieferte vor allem die Uneinigkeit der beiden spanischen Topklubs über die Zahlungsmodalitäten. Während die Katalanen eine Zahlung in mehreren Raten präferierten, forderten die Colchoneros angeblich, dass die Summe auf einen Schlag eingehen müsse. Griezmann soll daraufhin erwogen haben, die Ablöse in Höhe von 120 Millionen Euro selbst zu hinterlegen, ließ seinen Worten aber keine Taten folgen.

Vielmehr unterstrich er seinen Wechselwunsch zuletzt demonstrativ durch das Fehlen beim Auftakttraining der Madrilenen.

Möglich wurde der Deal nach Angaben der spanischen Sport-Tageszeitung Marca schließlich nur, weil es Barca gelungen war, das Geld bei diversen Banken zu beschaffen. Griezmann scheint jeden Cent wert zu sein: Der EM-Torschützenkönig von 2016 war in den vergangenen fünf Jahren bei Atletico mit 133 Toren in 257 Pflichtspielen der prägende Offensivspieler.

Mit dem Transfer-Vollzug könnte der erste „Dominostein“, von dem Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zuletzt gesprochen hatte, auf dem internationalen Transfermarkt gefallen sein. Bislang hielten sich die europäischen Spitzenklubs mit den ganz großen Transfers zurück.

Der Deal könnte auch auf den FC Bayern Einfluss haben. Der Rekordmeister hat zwar Leroy Sane von englischen Champion Manchester City zu seinem ersten Transferziel für die linke Offensivseite erklärt, doch der französische Weltmeister Ousmane Dembele gilt als erster Ersatzkandidat, sollte der deutsche Nationalspieler nicht zu bekommen sein.

Für den Ex-Dortmunder Dembele dürften die Spielanteile in Barcelona mit der Verpflichtung von Griezmann erheblich abnehmen