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Sportpolitik
Anschubfinanzierung durch die Politik

Berlin. Die neue Interessenvertretung der deutschen Sportler erhält 225 000 Euro aus Bundesmitteln. Dem DOSB gefällt das nicht.

Die großen Gewinner waren gar nicht vor Ort: Die Vertreter des Vereins Athleten Deutschland mussten in der Ferne abwarten, während die Sportpolitiker des Bundestags in Berlin über ihre Finanzierung diskutierten. Dem Jubel über den ersten wichtigen Sieg der neuen Interessenvertretung der deutschen Sportler auf dem politischen Parkett tat dies keinen Abbruch.

„Wir haben uns über das Vertrauen der Politik tierisch gefreut. Das ist eine Wertschätzung. Es wird gesehen, dass wir gute und konstruktive Arbeit machen. Sonst würden uns ja auch keine Bundesmittel anvertraut“, sagte Max Hartung, Vorsitzender der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Präsident von Athleten Deutschland: „Ich habe davon abends im Training erfahren und war ein bisschen überrascht.“

Denn seit Mittwoch ist klar, dass der im vergangenen Jahr gegründete und außerhalb des DOSB angesiedelte Verein mit einer Startfinanzierung durch den Bund planen kann. 225 000 Euro wurden in den Haushaltsetat eingestellt. Eine endgültige Bestätigung durch den Haushaltsausschuss ist nur noch Formsache. „Ich gehe davon aus, dass wir in den Haushaltsberatungen einen positiven Beschluss bekommen“, sagte die Sportausschuss-Vorsitzende Dagmar Freitag (SPD).



Der Verein soll Sprachrohr sein. Helfen, dass die Meinung der Spitzensportler in Zukunft häufiger gehört und berücksichtigt wird. Egal, ob es um die Leistungssportreform oder den russischen Dopingskandal geht. Denn bisher fühlen sich die deutschen Sportler nicht angemessen repräsentiert und ernst genommen. Obwohl Politik und Sport mantrartig betonen, dass in der Leistungssportreform der Sportler im Mittelpunkt stehen soll. Die Anschubfinanzierung soll nun dabei helfen, den Verein professioneller aufzustellen. Eine Geschäftsstelle mit hauptamtlichen Mitarbeitern ist geplant, um die Athletenkommission zu entlasten. Eingestellt werden sollen ein Geschäftsführer, ein Jurist und ein Kommunikationsprofi. Mittelfristig geht es darum, die Finanzierung in den kommenden Jahren zu erhalten. „Wir werden nicht 2019 fertig sein. Es ist ein langfristiges Projekt“, sagte Hartung. Dem stimmte auch Freitag zu: „Ich meine, dass wir diesen Verein dauerhaft fördern müssen. Athleten sollen im Rahmen der Reform zur Leistungssportförderung in den Mittelpunkt rücken – dazu gehört auch eine starke Athletenvertretung.“

Wenig erfreut zeigt sich dagegen der DOSB, der zuletzt bei einigen Themen so gar nicht mit seiner Athletenkommission auf einer Linie lag. „Wir haben deutlich gemacht, dass die Vertretung in unseren Strukturen auch gut möglich gewesen wäre“, sagte Veronika Rücker, Vorstandsvorsitzende des DOSB. Das sehen die Athleten – und offensichtlich auch die Politik – anders.