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Fußball
Infantino bastelt an Reformplänen

 Fifa-Chef Gianni Infantino hofft weiter auf 48 Teams bei der nächsten WM 2022 in Katar.
Fifa-Chef Gianni Infantino hofft weiter auf 48 Teams bei der nächsten WM 2022 in Katar. FOTO: dpa / Natacha Pisarenko
Rom. Die Fifa plant fest mit neuer Club-WM, globaler Nations League und Mega-WM 2022 mit 48 Teilnehmern. sid

Wenn sich Donald Trump und Kim Jong-Un an einen Tisch setzen, dann kann auch schon die WM 2022 in Katar mit 48 Mannschaften gespielt werden. Meint zumindest Gianni Infantino. Das Treffen des US-Präsidenten mit dem nordkoreanischen Machthaber in Hanoi zeige doch, dass „alles möglich ist“, sagt der Präsident des Fußball-Weltverbandes. Also auch eine gemeinsame Ausrichtung einer Mega-WM von den derzeit tief verfeindeten Ländern am Persischen Golf.

„Es ist eine Frage der Geografie. Katar ist ein kleines Land, das 16 Teams mehr beherbergen müsste“, sagt Infantino: „Also fragen wir uns, ob wir ein paar Partien außerhalb des Landes spielen können.“ Dass Katar aktuell politisch isoliert ist und von Nachbarländern boykottiert wird, spielt der 48-Jährige mit Verweis auf die Hanoi-Gespräche herunter.

Offenbar geht der Schweizer schon vor dem Abschluss einer Machbarkeitsstudie davon aus, dass die Aufstockung des Turniers in Kürze beschlossen werden kann. Hinter den verschlossenen Türen der Fifa-Gipfelkonferenz in Rom informierte Infantino die Teilnehmer, dass sich sowohl die katarische Regierung als auch das Organisationskomitee eine XXL-WM vorstellen könnten. Bei der anschließenden Abstimmung sprachen sich die 14 anwesenden nicht-europäischen Verbände geschlossen für Infantinos Plan aus.



Der Hintergrund ist klar: Die vielen kleineren unter den 211 Fifa-Mitgliedern versprechen sich größere Chancen auf eine Teilnahme am Weltereignis. Infantino, der im Sommer ohne Gegenkandidat zur Wiederwahl antritt, stärkt mit diesen „Geschenken“ seine Machtbasis. Gleiches gilt auch bei der geplanten Einführung einer globalen Nations League nach dem Vorbild des europäischen Turniers und der Reform der bislang stiefmütterlich behandelten Club-WM.

Ein Strukturvorschlag sieht vor, dass 25 Prozent der Nettoeinnahmen der neuen Club-WM als Solidaritätszahlung an alle Verbände fließen. Deshalb sind auch diejenigen Nationen begeistert, die wohl niemals in der Lage sein werden, mit einem ihrer Clubs bei dem Turnier vertreten zu sein. Geplant ist eine Aufstockung auf 24 Mannschaften bei einer Austragung alle zwei Jahre. Die Club-WM würde mit einer Dauer zwischen 18 und 21 Tagen deutlich länger gespielt werden als das aktuelle Format (zehn Tage).

Für die globale Nations League gibt es mehrere Gedankenspiele. Die deutliche Mehrheit in Rom sprach sich dafür aus, dass nicht erst in den Konföderationen die Teilnehmer an einem Final-Turnier ermittelt werden sollen, sondern dass direkt „global“ gespielt wird. Weite Reisen rund um die Welt wären also auch für die deutsche Nationalmannschaft an der Tagesordnung.

Dass sich die Europäer an den Abstimmungen in Rom nicht beteiligten, zeigt, wie tief der Graben zwischen der Uefa und dem Rest der Fußball-Welt ist. Wann welche Entscheidung fällt, ist noch offen. Am 15. März tagt das Fifa-Council in Miami. Zumindest die Reform der Club-WM könnte dort beschlossen werden, vielleicht auch schon die Aufstockung der WM in Katar.