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Fußball-WM 2026
Amerika freut sich auf die XXL-WM

Die gemeinsame Bewerbung der USA, Kanada und Mexiko hat die Vertreter im Fifa-Kongress überzeugt.
Die gemeinsame Bewerbung der USA, Kanada und Mexiko hat die Vertreter im Fifa-Kongress überzeugt. FOTO: dpa / Pavel Golovkin
Moskau. Der Kongress des Weltverbandes Fifa hat entschieden. Die WM 2026 wird in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen.

Die WM-Party der USA, Kanadas und Mexikos verzückte Donald Trump. „Ein großartiges Ergebnis nach harter Arbeit“, twitterte der US-Präsident nach dem Fifa-Kongress in Moskau, der gestern die Fußball-WM 2026 nach Nordamerika vergeben hatte. Der Verbund setzte sich deutlich mit 134:65 Stimmen gegen Marokko durch – das letzte Wort im Expocenter von Moskau hatte aber Gianni Infantino. „Ja, ich werde antreten“, sagte der Fifa-Präsident zumindest zu diesem Zeitpunkt überraschend und stellte sich zur Wiederwahl im kommenden Jahr. Schon zu Beginn des Kongresses hatte der Schweizer festgestellt, dass der Weltverband mit ihm „am Leben, voller Freude und Leidenschaft“ sei – und nicht mehr „klinisch tot“.

Die Vergabe der ersten Mega-WM, die in acht Jahren mit 48 Mannschaften ausgetragen wird, verlief nach Infantinos Geschmack. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) stimmte (im Gegensatz zu Trumps neuen Freunden in Nordkorea) für die USA, Kanada und Mexiko. „Wir haben sehr intensiv auf die Nachhaltigkeit geschaut, dort sind alle Stadien vorhanden, die Infrastruktur und Unterbringungsmöglichkeiten für die Fans“, sagte DFB-Präsident Reinhard Grindel: „Die marokkanische Bewerbung war gut, Land und Verband gilt großer Respekt.“ Den afrikanischen Nationen riet der 56-Jährige, sich mit einer gemeinsamen Kampagne mehrerer Verbände erneut zu bewerben.

Die Nordamerikaner erlebten im Moment der Vergabe einen „sehr emotionalen Moment“, sagte US-Verbandspräsident Carlos Cordeiro: „Vielen Dank an jeden in der Fifa-Familie.“ Sein mexikanischer Amtskollege Decio de Maria sprach von einem „großen Privileg“ und einer „Ehre“. Die drei Länder „werden die Welt mit offenen Armen und Herzen empfangen“, sagte er: „Eine WM in Nordamerika wird uns alle als Familie vereinen.“



Der Verbund war mit der besseren Bewertung für seine Kampagne angetreten (4,0 von 5 möglichen Punkten; Marokko: 2,7). „United 2026“ reichte 23 mögliche Austragungsorte ein, von denen nun 16 ausgewählt werden. 60 der 80 Spiele, darunter sämtliche Partien der K.o.-Runde, werden in den USA stattfinden, jeweils zehn in Kanada und Mexiko. Mögliche Finalorte sind Dallas, Los Angeles und New York. Für das Eröffnungsspiel ist Mexiko-Stadt vorgesehen.

Die Ausrichter rechnen mit Organisationskosten in Höhe von 2,16 Milliarden US-Dollar und einem Umsatz in Höhe von 14,3 Milliarden. Die prognostizieren Einnahmen in Höhe von elf Milliarden Euro wären Stand jetzt WM-Rekord und überzeugten wahrscheinlich viele Verbände.

Russlands Staatschef Wladimir Putin verlor während seiner Rede am Vormittag keine Silbe über die WM 2026, dafür stellte er die Vorteile „seiner“ heute beginnenden Endrunde heraus. „Die Menschen werden so begeistert sein, dass sie gerne zurückkommen“, versprach der Staatschef, der von Infantino mit einer Umarmung empfangen wurde: „Unser Land ist bereit. Alles wird reibungslos funktionieren.“

In der Fifa, betonte Infantino, sei das schon lange so. Er sei „stolz auf das, was wir getan haben – wir haben die Fifa zu einer offenen und demokratischen Organisation gemacht“. Entsprechend „entspannt und glücklich“ könne er beim Kongress sprechen, was er in vier Sprachen tat. Leise Kritik äußerte Infantino an den Medien: „Ich sehe, dass unsere Arbeit nicht in die Schlagzeilen kommt – es sei denn, es geht etwas schief.“

Die Zukunft sehe aber sogar noch rosiger aus – was viele Verbände angesichts der Finanzversprechen ähnlich beurteilen werden. Die Fifa rechnet für die Finanzperiode 2019 bis 2022 mit einem Ertrag in Höhe von 6,56 Milliarden US-Dollar (rund 5,6 Milliarden Euro). An die 211 Verbände werden im Rahmen des Entwicklungsprogramms jeweils sechs Millionen ausgeschüttet. Bisher waren es nur knapp über vier.