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WM-Kolumne
Alptraum namens Letchkov

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Es gibt Dinge, die ein elfjähriger Bub wirklich nicht erleben will. Wenn mal wieder eine Mathearbeit verbockt wurde oder sich das Tonband einer meiner geliebten TKKG-Kassetten im Rekorder verhakt hatte. Von Martin Wittenmeier

Mindestens genauso schlimm war für mich aber das Viertelfinal-Aus der deutschen Mannschaft bei der WM 1994. Gegen Bulgarien!!! Ein Desaster!!! Wir waren doch schließlich amtierender Weltmeister – und dann sowas.

Wären Matthäus, Brehme, Völler und Klinsmann an Fußball-Großmächten wie Brasilien, Italien oder Argentinien gescheitert, hätte ich das damals vielleicht irgendwie verkraften können. Aber gegen Bulgarien?! Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich nach dem 1:1 durch Hristo Stoitchkov nur mal schnell zur Toilette sprinten wollte. Gerade in der Küche angekommen, höre ich einen Aufschrei aus unserem Wohnzimmer. Obwohl meine Blase weiter unnachgiebig drückt, sause ich zurück vor den Fernseher und traue meinen Augen nicht. Ausgerechnet der kleinste Deutsche, Thomas Häßler, wurde in ein Kopfballduell mit Yordan Letchkov genötigt. Dank seiner „hünenhaften“ 1,66 Meter blieb „Icke“ gegen den einen Kopf größeren damaligen HSV-Profi nur zweiter Sieger. Deutschland war raus, die Fußballwelt und der elfjährige Martin schockiert. Zum ersten Mal seit 1978 erreichte Deutschland nicht das Finale bei einer Weltmeisterschaft. Na klasse! Und das ausgerechnet bei der ersten WM, bei der ich so richtig mitgefiebert habe.

Zumindest einen kleinen Erfolg habe ich an diesem Tag aber doch davongetragen: Den Weg zur Toilette habe ich trotz aller bulgarischer Störversuche am Ende unfallfrei geschafft.