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Saisonfinale der Formel 1
Alonsos letzte Ausfahrt heißt Abu Dhabi

Fernando Alonso kann auf eine überaus erfolgreiche Formel-1-Karriere zurückblicken, auch wenn die letzten Jahre nicht wirklich gut waren.
Fernando Alonso kann auf eine überaus erfolgreiche Formel-1-Karriere zurückblicken, auch wenn die letzten Jahre nicht wirklich gut waren. FOTO: dpa / Fazry Ismail
Abu Dhabi. Der McLaren-Pilot aus Spanien, Weltmeister der Jahre 2005 und 2006, kehrt der Formel 1 nach 17 Jahren den Rücken. Von Walter Koster

Zwei Mal Weltmeister (2005, 2006 mit Renault), drei Mal Vizeweltmeister (2010, 2012, 2013 mit Ferrari), 32 Grand-Prix-Siege, 97 Podestplätze, 311 Formel 1-Rennen – zweifelsohne eine beeindruckende Bilanz mit jeder Menge unvergesslicher Motorsport-Momente. An diesem Sonntag steigt Fernando Alonso zum letzten Mal in seinen McLaren-Renault. Nach 17 Jahren auf fahrerisch höchstem Niveau verabschiedet sich der Spanier aus der Königsklasse – freiwillig.

Seine Abschiedsvorstellung beim Saisonfinale in Abu Dhabi (14.10 Uhr/RTL) soll eine „emotionale Angelegenheit sein, worauf ich mich freue. Um Ergebnisse geht es für mich ohnehin nicht mehr.“ Klingt ein bisschen nach Frustration. Ist es auch. Alonsos Resultate in dieser Saison sind nicht berauschend. Eher eine Enttäuschung. Platz fünf  beim Auftakt in Australien war die bisher beste Ausbeute. Gleich sechs Mal in 20 Rennen sah der 37-Jährige keine Zielflagge.

Den Tiefpunkt erlebte der stolze Spanier aus Oviedo (Provinz Asturien) zuletzt in Brasilien. Von Platz 17 gestartet, beendete er sein vorletztes Rennen als Vorletzter – auf ebendiesem Platz 17. Noch schlimmer: Der Doppel-Weltmeister musste sich von seinem elf Jahre jüngeren belgischen McLaren-Teamkollegen Stoffel Vandoorne (26) überholen lassen. Auf die Frage eines Journalisten, was er zu so einem desolaten Auftritt zu sagen hätte, reagierte Alonso pikiert. „Nichts“, meinte er, denn „das ist alles längst zur Normalität geworden“. Zahlen untermauern diese „Normalität“. Mit 50 WM-Punkten (Hamilton 383) liegt Alonso in der Fahrerwertung auf Rang zehn, sein McLaren-Team auf Platz sechs. Der letzte Sieg gelang dem Spanier 2013 bei seinem Heimrennen in Barcelona mit Ferrari.



Ab 2014 begann sein Abstieg auf Raten. Am Saisonende als Ferrari-Pilot noch Rang sechs in der Fahrer-WM, seit 2015 als McLaren-Pilot nur noch 17., ein Jahr später Zehnter und im vergangenen Jahr 15. in der Gesamtwertung. Sein letztes Formel-1-Rennen, Grand Prix Nummer 312, will der Egozentriker mit dem immensen Selbstbewusstsein „einfach nur genießen“. In den sozialen Netzwerken kündigte er an: „Abu Dhabi wird mein bestes Rennen. Davon bin ich überzeugt.“

Fakt ist: Nach Abu Dhabi ist Schluss mit der Formel 1. Nächstes Jahr zieht es ihn in die USA. Dort wird er in verschiedenen Motorsport-Disziplinen ein zweites Rennfahrer-Leben starten. Alonso legt größten Wert darauf, dass er die Formel 1 freiwillig verlässt und nicht verlassen muss oder gegangen wird. Gebetsmühlenartig betont er bei jeder Gelegenheit: „Ich höre auf, weil ich es möchte, und nicht, weil ich zum Aufhören gezwungen wurde.“

Seit seiner Rücktrittsankündigung im August hielt sich hartnäckig das Gerücht, Alonso verlasse die Formel 1, weil er kein konkurrenzfähiges Cockpit finde. Konsequent verneint er dies. „Ich höre auf, weil ich alles getan habe, was ich tun wollte. Ich habe es in die Formel 1 geschafft, habe dort Rennen und Meisterschaften gewonnen, habe Rekorde gebrochen und bin für McLaren, Renault und Ferrari gefahren.“ Er sei jetzt 37 Jahre alt und könne in der Formel 1 nichts mehr erreichen. „Ich muss neue Abenteuer erkunden. Alles, von dem ich in der Formel 1 je geträumt habe, ist eingetreten und erledigt und sogar sehr erfolgreich“, sagt Alonso. „Ich habe ein wundervolles Leben. Ich habe mehr Geld verdient, als ich es mir je erträumt habe (schätzungsweise bis zu 200 Millionen Euro, Anm. der Redaktion). Es gibt nichts, was ich bereue. Ein Kapitel geht zu Ende.“

Und ein neues Kapitel fängt an. Alonso will sich einen Traum erfüllen – den Traum von der „Triple Crown“. Diese „Dreifach-Krone“ beinhaltet den legendären 500-Meilen-Klassiker in Indianapolis, kurz Indy 500, den Glamour-Grand-Prix in Monaco und die 24 Stunden von Le Mans. Monaco hat er schon zweimal (2006, 2007) gewonnen, in Le Mans siegte Alonso im Juni gleich bei seinem Debüt mit Toyota. Damit fehlt einzig ein Triumph in Indianapolis. Im weltberühmten „Nudeltopf“ ging Alonso bereits 2017 als Gast an den Start, lag sogar einige Runden in Führung, ehe er mit einem Motorschaden in seinem Honda ausfiel.

„Ich habe immer deutlich gemacht, wie wichtig mir die Triple Crown ist. Mein Start im Jahr 2017 war ein unglaubliches Erlebnis. In meinem Herzen wusste ich immer, dass ich zurückkehren muss, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Es gibt im Motorsport nichts Vergleichbares“, sagt Alonso. Bislang hat nur der Brite Graham Hill diese prestigeträchtige „Triple Crown“ geschafft. Spätestens, wenn Alonsos Traum sich erfüllt hat, werden ihn die vergangenen Frustjahre in der Formel 1 nicht mehr allzu sehr schmerzen.

Formel1-AbuDhabi 2018
Formel1-AbuDhabi 2018 FOTO: SZ / Müller, Astrid