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Affen und Krokodile in Costa Rica als Begleiter

Böckweiler. Sechs erlebnisreiche Tage lang lief Stefan Jung aus Böckweiler durch den Dschungel von Costa Rica. Der 33-Jährige wurde bei der „Coastal Challenge“ 25. Der Extremsportler wurde von heulenden Affen geweckt, sah badende Krokodile und hatte Insekten an den Beinen als ständige Begleiter. Von Merkur-MitarbeiterWolfgang Degott

"Du bist nicht mehr der Mensch, der du warst", so das Fazit des Böckweiler Extremsportlers Stefan Jung. Der 33-Jährige hat am sechstägigen Jubiläumslauf "Coastal Challenge" in Costa Rica teilgenommen, wurde 25. bei 105 Startern aus 19 Ländern. "Ich bin mit dem Erreichten zufrieden. Ich wollte durchkommen und mit der Deutschland-Fahne in der Hand, lächelnd in Bahia Drake an der Pazifikküste, der Grenze zu Panama, dort wo der englische Freibeuter Sir Francis Drake mit seinem Schiff "Golden Hind" im Jahre 1579 vor Anker ging, über die Ziellinie laufen. Das hab ich geschafft". Für 225 Kilometer der zehnten Ausgabe des Rennens brauchte der Trailrunner 42:34:12 Stunden. Morgens sei man von heulenden Affen geweckt worden, habe vom Zeltplatz aus die badenden Krokodile beobachten können, bevor es zum Start ging. Eine hammerharte Woche liegt hinter ihm. Keine der zwischen 23 und 48 Kilometer langen Strecken, für die er zwischen 3:44 und 10:05 Stunden benötigte, war leicht. Steile An- und Abstiege, Flussdurchquerungen, aber vor allem die Witterung mit über 40 Grad Hitze und über 90 Prozent Luftfeuchtigkeit machte dem Leichtgewicht zu schaffen, forderte, täglich bis ans Leistungs-Limit zu gehen. Da habe sich das intensive "Hitzetraining" in der Sauna bezahlt gemacht, so Jung, der an einem Tag für gerade mal drei Kilometer zwei Stunden gebraucht habe. Es ging über Straßen als auch auf "Singletrails", eben mal mit einer Machete frei gehauene mit Bändern markierte Pfade. Nach dem Start in Quepos ging's teilweise durch dichten Dschungel mit Affen über dem Kopf, Insekten an den Beinen gehörten zu den täglichen Begleiterscheinungen, beim einsamen Kampf gegen die Uhr. Mit den übrigen Läufern, darunter die beiden anderen Deutschen im Feld - der Drittplatzierte Philipp Reiter aus München und die Lenggrieserin Julia Böttger, die Zweite in der Frauenwertung - habe er abends im Camp getroffen, sich mit ihnen über das Erlebte ausgetauscht. Kontakte knüpfte er auch zum Sieger (23:26:23 Stunden), dem US-Amerikaner Mike Wardian, mehrfacher Amerika-Meister über 50 und 100 Kilometer, und dem Engländer Nick Clark, einer der weltbesten 100-Meilen-Läufer. Solch einen Lauf mit diesen Belastungen und Herausforderungen, so Jung in seiner Bewertung, könne nur jemand bewältigen, der mental stark und gewillt sei, an die Grenzen zu gehen. Und was kommt jetzt? Die Antwort: "Laufschuhe in die Ecke stellen, erholen, regenerieren". Locker traben oder schwimmen gehen, so gestaltet sich das Programm in den nächsten Wochen. Doch Stefan Jung blickt nach vorn. Er will über seine Erlebnisse, zu denen auch die Begegnungen mit den Menschen, die große und für ihn bedrückende Armut gehörte, erzählen. Auf seiner Facebook-Seite hat er seine nächsten Ziele gepostet: "Hart arbeiten und mir den nächsten Urlaub/Traum verdienen. Ich habe in diesem Jahr beruflich noch viel vor". Die nächste größere sportliche Herausforderung soll sich in der Hitze abspielen. Im Oktober 2015 will Jung an der sechstägigen, über 250 Kilometer langen Atacama Crossing durch die chilenische Wüste, wo lediglich Zelte und Wasser gestellt werden, teilnehmen. Den Rest müssen die Teilnehmer in Rücksäcken mitführen.