| 22:10 Uhr

1. FC Kaiserslautern
„Haben gezeigt, dass wir kicken können“

Kaiserslautern. Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern zwingt dank eines späten Treffers von Florian Pick das Hallenser Defensiv-Bollwerk in die Knie und feiert den vierten Sieg in Serie. Von Mirko Reuther

Die Roten Teufel haben ihren Härtetest bestanden. Nachdem Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern in den vergangenen Wochen mit Hansa Rostock (2:0), dem KFC Uerdingen (3:0) und Viktoria Köln (4:2) Teams geschlagen hatte, die sich in der Tabelle mal im oberen, mal im unteren Mittelfeld wiederfinden, bezwangen die Pfälzer am Samstag im Fritz-Walter-Stadion auch den als Tabellenzweiten angereisten Halleschen FC mit 1:0 (0:0). Die Lebensversicherung der Pfälzer war einmal mehr Florian Pick. In der 82. Minute erzielte er mit einem feinen Schlenzer das Tor des Tages.

Der FCK klettert durch den Sieg auf Platz zehn, der Rückstand auf den Aufstiegsrelegationsplatz von Eintracht Braunschweig beträgt plötzlich nur noch sieben Punkte. „Wer will nicht aufholen und oben angreifen?“, fragte Matchwinner Pick nach dem vierten Erfolg in Serie. Der 24-Jährige, der nun bereits elf Saisontore auf dem Konto hat, betonte: „Das war ein super Spiel von uns, mit Kampf und Einsatz. In erster Linie geht es für uns darum, diese Leistung jetzt immer wieder zu bestätigen.“

Vor 19060 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion begann der FCK mit viel Schwung, kombinierte gefällig, tat sich aber zunächst schwer, gegen die beste Defensive der Liga (16 Gegentore) große Möglichkeiten zu kreieren. Hendrick Zuck und Pick verzeichneten in der Anfangsphase Halbchancen. Aber erst bei einem Schuss von Philipp Hercher in der 25. Minute geriet das Tor der Gäste erstmals ernsthaft in Gefahr.



Defensiv ließen die Roten Teufel dafür kaum etwas anbrennen. Kaiserslautern lief den Gegner früh an. Halle schlug die Bälle deshalb meist unkontrolliert in Richtung FCK-Strafraum – und dort gewannenen die Lauterer Innenverteidiger André Hainault und Kevin Kraus fast jedes Kopfballduell. „Es war unsere erste Aufgabe, die Mannschaft für die Arbeit gegen den Ball zu sensibilisieren“, meinte FCK-Trainer Boris Schommers nach der Partie zur starken Defensivleistung seiner Elf. Die Abwehr der Roten Teufel, einst die Schießbude der Liga, hat in den letzten vier Spielen nun drei Mal kein Gegentor kassiert.

Aber auch im Angriff wurden die Hausherren gegen Ende der ersten Hälfte wieder gefährlicher. Der pfeilschnelle Timmy Thiele kam im Strafraum der Gäste nach einer Grätsche von Halles Bentley Bahn zu Fall (34.). Doch Schiedsrichter Robert Hartmann hatte kein Foulspiel gesehen. In der 42. Minute verzeichnete Kaiserslautern seine größte Chance im ersten Durchgang. Hercher bediente FCK-Abräumer Janik Bachmann an der Strafraumgrenze. Doch dessen Schuss strich haarscharf über das Tor der Gäste.

Nach dem Seitenwechsel blieben die Pfälzer dran, drängten auf das 1:0. Halle stand hinten gut. Doch über Standards sorgte der FCK bei zunehmenden Dauerregen weiter für Gefahr. Einen tückischen Freistoß-Aufsetzer von Zuck wehrte Halles Torwart Kai Eisele ins Toraus ab (54.). Nach der anschließenden Ecke geriet ein Kopfball von Thiele zu unplatziert. Kurz darauf die erste und einzige Schrecksekunde für die FCK-Fans unter den Zuschauern auf dem Betzenberg. Nach einer Flanke der Gäste vom rechten Flügel tauchte FCK-Verteidiger Dominik Schad unter dem Ball durch. Das Leder fiel Halles Terrence Boyd nur wenige Meter halblinks vom FCK-Gehäuse vor die Füße. Doch der beste Torjäger der Hallenser (9 Treffer) scheiterte mit einem Schuss in die kurze Ecke an der Fußabwehr von Lauterns Schlussmann Lennart Grill (63.). Im direkten Gegenzug fast das 1:0 für den FCK. Eine Flanke von Thiele fälschte Halles Verteidiger Sebastian Mai Richtung eigenes Tor ab. Eisele verhinderte den Einschlag mit einer starken Parade. Im Anschluss schien es, als würde sich Kaiserslautern an der Defensive der Gäste die Zähne ausbeißen.

Aber dann kam die 82. Minute. Auf halbrechts wurde der eingewechselte Lucas Röser freigespielt, dessen verunglückter Schuss auf dem linken Flügel bei Pick landete. Der ließ Halles Pascal Sohm mit einer geschickten Körpertäuschung ins Leere laufen, zog in die Mitte und setzte den Ball ins rechte Toreck. Halle startete danach seine Schluss-Offensive – doch mehr als ein harmloser Kopfball von Boyd (89.) sprang nicht heraus. Der vierte FCK-Sieg in Folge war perfekt.

„In der Vergangenheit haben wir den Kopf und die Sicherheit verloren, wenn es nicht so geklappt hat, wie wir wollten. Heute sind wir geduldig geblieben“, freute sich Verteidiger Kraus. „Das war ein gutes, zweikampfbetontes Spiel von uns. Im Umschaltspiel hat nicht alles geklappt, trotzdem haben wir uns Chancen herausgespielt“, lobte Trainer Schommers.

Und der Mann des Tages, Florian Pick meinte: „Die Entwicklung ist positiv. Wir haben auf einem schwierigen Platz gezeigt, dass wir kicken können. Den Schwung und das Selbstvertrauen müssen wir mitnehmen.“