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Fridays-Kongress in Dortmund
Mit Wir-Gefühl gegen die Klimakrise

 Mit einer Demonstration trugen die Teilnehmer des Fridays-for-Future-Sommerkongresses ihren Protest auch in die Dortmunder Innenstadt. Hier stellen die Aktivisten Pflanzen vor der Zentrale von Innogy SE auf, einer Tochtergesellschaft des Energieversorgers RWE.
Mit einer Demonstration trugen die Teilnehmer des Fridays-for-Future-Sommerkongresses ihren Protest auch in die Dortmunder Innenstadt. Hier stellen die Aktivisten Pflanzen vor der Zentrale von Innogy SE auf, einer Tochtergesellschaft des Energieversorgers RWE. FOTO: dpa / Marius Becker
Dortmund. Die Zukunft von Fridays for Future ist ungewiss. Bei einem Sommerkongress in Dortmund wollen die Aktivisten Luft holen für den langen Atem, den sie wohl brauchen werden. Von Florentine Dame und Eva Gerten, dpa

In den Ferien kann man nicht die Schule schwänzen – und so tut die Klimabewegung Fridays for Future das Gegenteil, um Aufmerksamkeit zu erregen: Während andere Altergenossen ihren Urlaub genießen, arbeiten sie an der Zukunft ihres Protests – bei einem mehrtägigen Sommerkongress in Dortmund. Passend zum Wochentag steht am Freitag eine Demon­stration auf dem Programm. Und so ziehen die jungen Kongressteilnehmer durch Dortmund und demon­strieren für besseren Klimaschutz. „Es darf niemals soweit kommen, dass sich die Erde um zwei Grad erwärmt. Wir sind schon sehr nahe daran, und das macht uns riesengroße Angst“, sagt eine Rednerin bei einer Kundgebung.

Wie soll es weitergehen, jetzt wo der Klimawandel in breiter Öffentlichkeit diskutiert wird, aber außer politischen Absichtserklärungen noch keine Erfolge erzielt wurden? Wie kann man dafür sorgen, dass den Protestlern nicht die Luft ausgeht, wenn das mediale Interesse abflaut? Muss man radikaler werden in den Aktionsformen oder stärkere Allianzen mit etablierten Organisationen eingehen?

Entscheidungen zu diesen oder anderen Fragen werden ausdrücklich nicht getroffen, betonen die Organisatoren des Kongresses immer wieder. Stattdessen gehe es ums Vernetzen, Informieren, Austauschen und Bestärken. Mehr als 1500 junge Menschen zwischen zehn und 28 Jahren haben sich angemeldet bei diesem Treffen mit Arbeitskreisen und jeder Menge „Sommerlager-Wir-Gefühl“.



Zwei Schulen am Rande einesParks werden während des Kongresses trotz Ferienzeit zum Lernort. Die Teilnehmer sollen hier inhaltliches wie methodisches Rüstzeug bekommen. Es gibt Podiumsgespräche, Vernetzungstreffen und weit über 200 Arbeitsgruppen.

Wie man aus einem Einkaufswagen und ein paar Holzbalken einen klimaneutralen Lautsprecherwagen für die Demo baut, zeigen einige Aktivisten auf dem Pausenhof. Mehr als 30 junge Leute hängen drinnen an den Lippen des leidenschaftlichen Forstwirts und Buchautors Peter Wohlleben, der über den Wald in der Klimakrise berichtet. Ein paar Klassenzimmer weiter erklärt Online-Video-Produzent Christoph Krachten die Grundlagen einer erfolgreichen Youtube-Arbeit.

„Das meiste passiert aber wahrscheinlich nebenbei“, sagt Jakob Blasel. Der Abiturient gehört zum vielköpfigen Organisationsteam, das den Kongress seit Monaten vorbereitet hat. Ursprünglich hatte das Treffen die Bewegung durch die befürchtete Sommerflaute bringen sollen. „Ganz ehrlich dachte ich vor vier Monaten, die Bewegung wäre nach den Sommerferien tot“, sagt er.

Jetzt sind er und seine Mitstreiter guter Hoffnung, dass es gelingen kann, zum 20. September mehr Leute denn je auf die Straße zu bringen. An dem Tag, an dem das Klimakabinett in Berlin seine Ergebnisse vorstellen will, hat die Bewegung zu einem Generalstreik aufgerufen. Der Protest soll dann nicht mehr allein von den jungen Leuten getragen werden. Dieses Mal sollen auch Erwachsene ihre Verantwortung wahrnehmen, erklären die Aktivisten.

Protestforschern zufolge stehen Fridays for Future wichtige Weichenstellungen bevor: Erschöpfe sich die Bewegung im freitäglichen Streikritual, so drohe es „allen Beteiligten langweilig zu werden – den Medien inklusive“, findet der Soziologe Dieter Rucht. Die Bewegung müsse auch jenseits klimapolitischer Fragestellungen Position beziehen, findet er – auch wenn das Konfliktpotenzial berge.