| 22:33 Uhr

Moskau in Verdacht
Weiter keine Spur nach Giftanschlag auf Doppelagent

London. Nach dem Attentat mit Nervengift auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter in England ringt die britische Regierung um eine angemessene Reaktion. Die Spekulationen, es handele sich um einen aus Moskau organisierte Tat, wollten in Großbritannien nicht abreißen. London gerät damit innenpolitisch unter Druck, konkrete Konsequenzen anzukündigen. Doch bislang fehlen Beweise, um einen Täter zu überführen.

Nach dem Attentat mit Nervengift auf den russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter in England ringt die britische Regierung um eine angemessene Reaktion. Die Spekulationen, es handele sich um einen aus Moskau organisierte Tat, wollten in Großbritannien nicht abreißen. London gerät damit innenpolitisch unter Druck, konkrete Konsequenzen anzukündigen. Doch bislang fehlen Beweise, um einen Täter zu überführen.

Gestern versuchte die Regierung erst einmal, Druck herauszunehmen. Die Öffentlichkeit verlange zu Recht, dass die Verantwortlichen identifiziert und zur Rechenschaft gezogen würden, sagte ein Sprecher der Premierministerin Theresa May. Es handele sich um ein „widerwärtiges und skrupelloses Verbrechen“. Gleichzeitig mahnte er jedoch, es sei wichtig, Spekulationen zu vermeiden, bis die Ermittler harte Fakten auf den Tisch legen könnten.

Die Polizei hatte am Mittwoch erklärt, Skripal und seine Tochter Yulia seien die Opfer eines gezielten Angriffs mit Nervengift geworden. Die beiden waren am Wochenende mit Vergiftungserscheinungen im englischen Salisbury aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einem Krankenhaus um ihr Leben (wir berichteten).



Der Fall erinnert an den Mord am Kremlkritiker Alexander Litwinenko im Jahr 2006. Er wurde mit radioaktivem Polonium vergiftet. Die Labour-Abgeordnete Yvette Cooper forderte jetzt die erneute Untersuchung von 14 Todesfällen aus den vergangenen 20 Jahren, bei denen Medien über eine Beteiligung russischer Agenten spekulieren.