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Weltkulturerbe Völklinger Hütte
Der Streit um die Erinnerung hält an

Völklingen. Wollen sich die Röchling-Erben freikaufen? Es gibt Kritik am Weltkulturerbe-Projekt. Von Cathrin Elss-Seringhaus

Wer in Völklingen NS-Zwangsarbeiter-Mahnmal sagt, sagt auch Hermann Röchling, und damit ist ein 20 Jahre währender, wohl nie ganz befriedeter Kampf aufgerufen. Beziehungsweise ist die Schuldfrage mitgestellt: Wie viel Macht und Verantwortung hatte Hermann Röchling im NS-Ausbeutungssystem? Biografen und Historiker sind da uneins.

Hermann Röchling war ein Nazi, als Chef der Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke und Wehrbeauftragter Eisen ein Täter, saß dafür im Gefängnis. Die Stadt hat sich nach Ansicht antifaschistischer Initiativen nie von ihm distanziert. Und obwohl der „Bürgerinitiative gegen das Vergessen und die Gleichgültigkeit“ 2013 die Umbenennung der „Hermann-Röchling-Höhe“ in „Röchling Höhe“ gelang, blieb das Misstrauen. Es übertrug sich auf den Weltkulturerbe-Chef Meinrad Maria Grewenig, der tatsächlich das dunkelste Kapitel in der Hüttengeschichte erst 2014 aufblätterte. Seitdem muss er sich Vertröstungstaktik vorhalten lassen. Die Gräben vertieften sich, als 2012 Stolpersteine für NS-Opfer in Völklingen verlegt wurden. damals bezeichnete Grewenig die „Stolperschwelle“ am Haupteingang des Weltkulturerbes als dem großen Thema nicht „würdig“ genug. An der konfrontativen Stimmung änderte offensichtlich auch die Tatsache nichts, dass sich das Weltkulturerbe 2014 der Aufarbeitung durch die Ausstellung „Die Röchlings und die Völklinger Hütte“ sowie durch eine Ringvorlesung näherte. Forschungsergebnisse wurden präsentiert. Im Frühjahr 2018 gab Grewenig dann bekannt, dass ein Zwangsarbeiter-Erinnerungsort durch private Mittel von Röchling-Erben geschaffen werde. Mehrere Initiativen verfassten einen „Offenen Brief“, kritisierten Intransparenz des Verfahrens, mangelnde Bürgerbeteiligung und die Finanzierung.

Diese Argumentationslinie findet sich in einer Mitteilung des „Aktionsbündnisses Stolperstein/Frieden“ wieder. Grewenig habe „im Alleingang entschieden“, heißt es, „mit Rückendeckung des zuständigen Kultusministers Ulrich Commerçon“. Die Röchling-Erben sollten, wenn es ihnen um Wiedergutmachung gehe, in den Bundes-„Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter“ einzahlen. Gemutmaßt wird, die Röchlings wollten sich „freikaufen“. Als problematisch erachtet wird auch die Platzierung des Gedenkortes. Er sei nicht öffentlich zugänglich, man müsse – außer an bestimmten Tagen – Eintritt zahlen, so die Pressemitteilung.