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Rheinland-Pfalz: Mehr Pfleger flüchten in Leiharbeit
Viele Pfleger flüchten in die Leiharbeit

Mainz/Trier. Der Vorsitzende der rheinland-pfälzischen Landespflegekammer, Markus Mai, drängt darauf, die Bedingungen in den Kliniken und Heimen schleunigst zu verbessern.

Wenn Pfleger die x-te Überstunde schieben, erneut ein freies Wochenende für die Arbeit opfern und sich in ständiger Hetze um ältere Menschen kümmern, dann ziehen manche die Reißleine und geben ihren Job auf. Weil die Bevölkerung zugleich immer älter wird und die Zahl der zu Pflegenden steigt, müssen Heime immer häufiger Leiharbeiter anfordern, um Löcher zu stopfen. Auch in Rheinland-Pfalz: Wie eine kleine Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag ergab, arbeiteten in den Pflegeberufen in Rheinland-Pfalz im vergangenen Jahr 816 Leiharbeiter, die Kliniken oder Heime über Zeitarbeitsfirmen ausleihen können. Im Jahr zuvor waren es noch 408.

Oft flüchten Pfleger sogar freiwillig in die Leiharbeit, weil ihnen Druck und Belastung bei ihren Brötchengebern zu groß werden, sagt Michael Quetting von Verdi in der Region Saar und Trier. „Leiharbeiter können oft eine bessere Bezahlung aushandeln, schieben keine Überstunden und können ihre Urlaube verlässlich planen.“ Der Gewerkschafter warnt vor der Entwicklung: Leiharbeiter, die nur für wenige Monate einspringen, könnten kaum eine enge Bindung zu den Patienten aufbauen, die es für die Betreuung brauche. In einem Krankenhaus im Saarland habe es bereits einen lebensbedrohlichen Vorfall gegeben, weil ein Leiharbeiter einem zu Pflegenden eine falsche Medikamentendosis verabreicht habe.

Für Markus Mai ist die freiwillige Abwanderung in Leiharbeit ein „Armutszeugnis für das System“. Der Vorsitzende der Landespflegekammer drängt darauf, die Bedingungen in den Kliniken und Heimen schleunigst zu verbessern. „Das Erdbeben ist schon längst vorüber, jetzt dürfen wir nicht seelenruhig auf den Tsunami warten“, sagt Mai. Er fordert Betriebskitas, mehr Personal und monatlich mindestens 4000 Euro brutto für Pfleger.



Ein Warnsignal ist für den Landespflegekammer-Chef auch der immer stärker steigende Anteil von Teilzeitkräften in der Pflege, weil älteren Kräften die körperliche Belastung zu hoch werde. Das verstärke den personellen Notstand.

Nach Angaben des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministeriums fehlen im Land schon jetzt mehr als 1900 Pflegekräfte. Künftig dürften es mehr sein.

Flächendeckende Tarifverträge, die die Bezahlung in der Pflege regeln, lehnt Rainer Brüderle vom Arbeitgeberverband bpa ab. „Diese sind weder notwendig noch gibt es einen Sozialpartner, mit dem man solche ernsthaft verhandeln könnte“, sagt der ehemalige FDP-Bundeswirtschaftsminister.