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Verbraucherschützer begrüßen Vorstoß
Verkehrsminister will Flugchaos in Ferien beenden

Bundesverkehrsminister
Andreas Scheuer
Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Berlin/Frankfurt. An Europas Himmel herrscht in diesem Sommer ein bislang beispielloses Chaos. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer verspricht nun Abhilfe. Die meisten Probleme sind schon länger bekannt.

Stornierungen, Verspätungen und ewige Wartezeiten – das anhaltende Flugchaos am europäischen Himmel hat nun Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) veranlasst, konkrete Maßnahmen anzukündigen. „Ich kann nicht akzeptieren, dass es so viele technische Probleme, Verspätungen und auch Abfertigungsprobleme gibt“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Es brauche klare Botschaften für die Flughäfen und die Fluggesellschaften. „Es hakt etwas an diversen Schnittstellen“, betonte der Minister.

Die Verbraucherzentrale Bundesverband begrüßte „nach zwei verheerenden Sommern“ den Vorstoß. Die Leiterin des Mobilitäts-Teams, Marion Jungbluth, schrieb Scheuer am Freitag: „Reisende erwarten zu Recht schnellere Sicherheitskontrollen und verlässliche Flugpläne. Falls der Flug nicht reibungslos läuft, muss die Abwicklung von Entschädigungsansprüchen durch die Fluggesellschaften verbraucherfreundlicher werden. Zum Beispiel durch eine automatisierte Online-Beschwerdemöglichkeit.“

Der Flughafenverband ADV wie auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) sicherten Scheuer ihre Mitarbeit zu. Sie hatten bereits an dem Luftverkehrskonzept mitgewirkt, dessen Umsetzung die FDP-Fraktion im Bundestag anmahnte.



ADV-Geschäftsführer Ralph Beisel erneuerte die Forderung, die Sicherheitskontrollen der Passagiere künftig von den Flughäfen und nicht mehr von der Bundespolizei organisieren zu lassen. Modellversuche und Erfahrungen im europäischen Ausland hätten gezeigt, dass bei gleichem Personaleinsatz doppelt so viele Passagiere kontrolliert werden könnten als derzeit.

Die Kapazität des Luftraums müsse zudem erhöht und die Infrastruktur der Flughäfen ausgebaut werden, erklärte der BDL-Präsident und Chef der Deutschen Flugsicherung, Klaus-Dieter Scheurle. Er wies auf aktuelle Anstrengungen hin, um den Flugbetrieb zu stabilisieren.

Einer Eurocontrol-Studie zufolge wird sich die Zahl der um bis zu zwei Stunden verspäteten Flüge in Europa bis zum Jahr 2040 versiebenfachen. Die meisten Probleme sind allerdings nicht allein auf nationaler Ebene zu lösen.

Die Flugsicherung in Europa etwa ist nach wie vor zerklüftet, das Projekt eines einheitlichen Luftraums gescheitert. 28 nationale Flugsicherungen nutzen mögliche Synergien und neue Technologien zu wenig und sind zudem streikanfällig. Allein die französischen Lotsen legen regelmäßig einen Großteil des Urlauberverkehrs nach Westeuropa lahm. Mehrere Fluggesellschaften haben bei der EU-Kommission dagegen Klage eingelegt.