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Eskalation am Golf
USA blasen Angriff gegen Iran ab

  Bilder aus dem iranischen Fernsehen, die die mutmaßlichen Überreste einer abgeschossenen US-Drohne zeigen. Es herrscht Streit darüber, ob der Abschuss gerechtfertigt war.
Bilder aus dem iranischen Fernsehen, die die mutmaßlichen Überreste einer abgeschossenen US-Drohne zeigen. Es herrscht Streit darüber, ob der Abschuss gerechtfertigt war. FOTO: dpa / Borna Ghasemi
Washington. 150 Menschenleben standen offenbar auf dem Spiel: US-Präsident Donald Trump soll in letzter Minute eine Militäraktion gegen den Erzfeind am Persischen Golf gestoppt haben. Nach Entwarnung sieht es aber dennoch nicht aus. Von Can Merey (dpa)

US-Präsident Donald Trump hat einen Militärschlag gegen den Iran nach eigenen Angaben wegen der befürchteten Todesopfer in letzter Minute gestoppt. Die vom US-Militär erwarteten 150 Toten wären im Vergleich zum Abschuss einer US-Drohne durch den Iran „unverhältnismäßig“ gewesen, schrieb Trump am Freitag auf Twitter. Die US-Streitkräfte seien am Donnerstagabend bereit zum Angriff auf drei verschiedene Ziele gewesen, „als ich gefragt habe, wie viele sterben werden. 150 Menschen, Sir, war die Antwort eines Generals. Zehn Minuten vor dem Schlag habe ich ihn gestoppt.“

Trump machte keine Angaben dazu, welche Ziele angegriffen werden sollten. Die „New York Times“ berichtete, Radarstationen und Raketenbatterien hätten attackiert werden sollen. Die US-Militärplanungen verstärkten die Sorge, dass der Konflikt zwischen den USA und dem Iran in einem neuen Golfkrieg münden könnte. Es wäre der dritte Militärschlag der USA unter Trump in Nahost gewesen, nach den beiden Angriffen auf Ziele in Syrien im Jahr 2017 und 2018.

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran hatten sich in der Nacht zum Donnerstag dramatisch zugespitzt, nachdem der Iran eine US-Aufklärungsdrohne abgeschossen hatte. Über den genauen Abschussort machen der Iran und die USA unterschiedliche Angaben. Die US-Regierung spricht davon, dass das unbemannte Flugzeug über internationalen Gewässern getroffen worden sei. Der Iran will Beweise dafür haben, dass die Drohne über iranischem Hoheitsgebiet geflogen sei. Es geht um wenige Kilometer. Außerdem gibt der Iran an, dass die USA mehrfach vor Abschuss der Drohne gewarnt worden seien.



Trump schrieb am Freitag: „Ich habe keine Eile.“ Das US-Militär sei einsatzbereit „und mit Abstand das beste in der Welt“. Trump verteidigte erneut seinen einseitigen Ausstieg aus dem internationalen Atomabkommen.

Der iranische Sicherheitsrat wies am Freitag Berichte zurück, wonach Trump den Iran über die Regierung des arabischen Golfstaates Oman gewarnt haben soll, dass ein Militärschlag bevorstehe. Ebenso wurde dementiert, dass es eine Botschaft Trumps gebe, wonach er keinen Krieg, sondern Gespräche mit der Führung in Teheran wolle und dafür eine Frist gesetzt habe.

Die Eskalation der Spannungen wirkte sich auch auf die zivile Luftfahrt auf. Die US-Luftfahrtbehörde FAA verhängte ein Flugverbot für in den USA registrierte Flugzeuge über Teile des Krisengebietes. Flüge über dem Persischen Golf und dem Golf von Oman seien bis auf Weiteres nicht mehr erlaubt, teilte die FAA via Twitter mit. Die Anordnung gilt für alle in den USA angemeldeten Fluggesellschaften. Auch europäische Fluggesellschaften erklärten, die Straße von Hormus im Persischen Golf zu umfliegen. Ein Sprecher der Lufthansa sagte, eine entsprechende Entscheidung sei bereits am Donnerstag gefallen. Teile des iranischen Luftraums würden aber noch überflogen und auch die Landeshauptstadt Teheran werde angesteuert.

Unterdessen wurden im iranischen Fernsehen am Freitag Wrackteile präsentiert, die von der abgeschossenen Drohne stammen sollen.

US-Präsident Trump hatte zuvor gesagt, es sei „wissenschaftlich dokumentiert“, dass die Drohne in internationalem Luftraum geflogen sei. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif schrieb dagegen auf Twitter, man werde den Fall vor die Vereinten Nationen bringen „und zeigen, dass die Vereinigten Staaten lügen“. Nach Angaben des US-Zentralkommandos Centcom, das die Truppen im Nahen Osten führt, wurde die Drohne des Typs RQ-4A „Global Hawk“ über der Straße von Hormus von einer iranischen Luftabwehrrakete getroffen.

 Will sich an die Vereinten Nationen wenden: der iranische Außenminister Mohammed Jawad Sarif.
Will sich an die Vereinten Nationen wenden: der iranische Außenminister Mohammed Jawad Sarif. FOTO: dpa / Ameer Al Mohammedaw
 Hat US-Präsident den Iran in letzter Minute aus Menschlichkeit verschont?  Foto: Brandon/AP/dpa
Hat US-Präsident den Iran in letzter Minute aus Menschlichkeit verschont? Foto: Brandon/AP/dpa FOTO: dpa / Alex Brandon