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Ukraine-Wahl am Sonntag
Der Präsident, der aus der Fernsehserie kam

 Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko könnte sein Amt an  Wladimir Selenskyj verlieren.
Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko könnte sein Amt an  Wladimir Selenskyj verlieren. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Kiew. Im Wahlkampf um das Präsidentenamt in der in die EU strebenden Ukraine jagt eine Kuriosität die nächste. Vor laufenden Kameras lieferten sich Präsident Petro Poroschenko und sein Herausforderer, der Komiker und haushohe Favorit Wolodymyr Selenskyj, etwa Bluttests auf Drogen und Alkohol. Von dpa

Der 53 Jahre alte Präsident versucht, den 41 Jahren alten Schauspieler als koksende russische Marionette hinzustellen.

Was die krisengeschüttelte Ex-Sowjetrepublik den rund 30 Millionen Wahlberechtigten vor der Abstimmung am 21. April um das mächtigste Amt des Landes bietet, gilt als beispielloses politisches Spektakel. „Das Ende“ steht auf einem Plakat, auf dem Poroschenko aus dem Bild – oder aus dem Amt – läuft.

Wenn der Westen an diesem Sonntag Ostern feiert, ist das nach allen Umfragen das mögliche Ende der fünfjährigen Präsidentschaft eines einstigen großen Hoffnungsträgers. Der durch ein Süßwarenimperium reich gewordene Poroschenko war 2014 im Zuge der proeuropäischen Proteste auf dem Maidan in Kiew an die Macht gelangt.



Mehr als 100 Menschen starben im Frühjahr 2014. Nach dem Sturz des russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch gab es Hoffnung in dem verarmten Staat auf einen prowestlichen Kurs für mehr Wohlstand. Doch gerade in diesen aufgeheizten Tagen des ukrainischen Wahlkampfes sieht sich der Millionär Poroschenko bisweilen sogar in Häftlingskleidung hinter Gitterstäben karikiert.

So wird aktuell etwa der ukrainische Rüstungskonzern Ukroboronprom von einem Korruptionsskandal erschüttert – und Poroschenko soll gerade seine Geschäftspartner ins Gefängnis bringen. Das Militär gilt als wichtige Machtbasis für den Präsidenten, der die Armee im Konflikt mit Russland wieder zu Stärke geführt hat. Sein Versprechen aber, den vor fünf Jahren begonnenen Krieg zwischen Regierungstruppen und aus Russland unterstützten Separatisten im Industriegebiet Donbass zu beenden, hat Poroschenko nicht erfüllt. Stattdessen sind viele Menschen ärmer als vor den Protesten. Da stieß es auch manchen Kommentator in der Ukraine sauer auf, dass die hier als Freundin der Ukraine geschätzte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nur den angeschlagenen Präsidenten kurz vor der Abstimmung in Berlin empfing.

Auch wenn der EU-Kurs des Landes nicht in Frage steht, versucht sich Poroschenko mit solchen Besuchen als einziger Garant für prowestliche Werte in Szene zu setzen. Auf einem Wahlplakat steht er Kremlchef Wladimir Putin gegenüber – die Botschaft: Ich oder Russland (Selenskyj).

Verzweifelt wirkten Poroschenkos Versuche, Selenskyj für eine echte Debatte zu treffen. Einmal platzte der Präsident in eine Sendung des TV-Kanals 1+1. In dem Sender spielt Selenskyj schon seit Jahren in einer extrem erfolgreichen Comedyserie einen Geschichtslehrer, der sich im Präsidentenamt wiederfindet.

Umfragen sehen Selenskyj schon jetzt bei uneinholbaren mehr als 70 Prozent der Stimmen. Für ihn stünde im Fall eines Sieges dann wohl im Mai der Rollenwechsel an. Vom Präsidentendarsteller im Fernsehen ins echte Staatsamt. Der Politneuling hat zwar eine Partei, die den Namen seiner TV-Serie „Sluha narodu“ – auf Deutsch: Diener des Volkes – trägt. Eine eigene Machtbasis hat er aber nicht. Die nächste Parlamentswahl steht offiziell erst im Oktober an. Hier kann sich Selenskyjs Partei ebenfalls Hoffnungen auf einen Sieg machen. Nicht ausgeschlossen, dass er angesichts der unklaren Machtverhältnisse als eine der ersten Handlungen im Amt vorzeitige Parlamentswahlen ansetzt.

 ARCHIV - 06.02.2019, Ukraine, Kiew: Wladimir Selenski, Komiker und Kandidat für die Präsidentenwahl in der Ukraine am 31. März 2019, bei einem Interview. (zu dpa «Komiker gegen «Schokozar» und «Gasprinzessin»» vom 29.03.2019) Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
ARCHIV - 06.02.2019, Ukraine, Kiew: Wladimir Selenski, Komiker und Kandidat für die Präsidentenwahl in der Ukraine am 31. März 2019, bei einem Interview. (zu dpa «Komiker gegen «Schokozar» und «Gasprinzessin»» vom 29.03.2019) Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Efrem Lukatsky