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USA und Nordkorea
Trumps Gipfel-Spiel mit Kim geht weiter

Vor der amerikanischen Botschaft in Seoul gab es am Freitag Proteste gegen die Politik der USA, nachdem US-Präsident Trump sein geplantes Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un abgesagt hatte.
Vor der amerikanischen Botschaft in Seoul gab es am Freitag Proteste gegen die Politik der USA, nachdem US-Präsident Trump sein geplantes Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un abgesagt hatte. FOTO: dpa / Ahn Young-Joon
Washington/Seoul. Während seine Absage noch für Kritik sorgt, stellt der US-Präsident nun doch ein Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim in Aussicht. Von Frank Herrmann

„Ich versteife mich nie zu sehr auf nur ein Geschäft“, schrieb Donald Trump 1987 in „The Art of the Deal“, seinem Bestseller. „Ich halte viele Bälle zugleich in der Luft, denn aus den meisten Geschäften wird nichts, egal wie vielversprechend es anfangs aussah.“ Habe er das Gefühl, unfair behandelt zu werden, kämpfe er für seine Interessen, auch wenn er einige Leute damit vor den Kopf stoße. Es ist eine Passage, die sie bei „Fox & Friends“, der Lieblingssendung des US-Präsidenten, derzeit oft zitieren. Trump, der Entschlossene: Anfang Mai stieg er aus dem Atomabkommen mit Iran aus, ohne sich um die Einwände der Europäer zu scheren, und beschwor parallel dazu die Aussicht auf einen historischen Atomdeal mit Nordkorea. Nun, da er das Treffen mit Kim Jong Un platzen ließ, hat er auch den nordkoreanischen Ball fallen lassen. Oder? Am Freitag nährte er daran wieder Zweifel – während sich Kritiker noch an ihm abarbeiteten.

Dies sei die Stunde der Amateure, twitterte Susan Rice, die Sicherheitsberaterin Barack Obamas. Der Korea-Experte Victor Cha, einst im Nationalen Sicherheitsrat George W. Bushs, sprach von einem Mann, der geglaubt habe, dass für ihn andere Regeln gelten. In Kim, spitzte es Pulitzer-Preisträger David Sanger in der „New York Times“ zu, habe Trump offenbar nichts anderes gesehen als einen konkurrierenden Unternehmer, mit dem es um den Preis einer Immobilie zu feilschen gelte. Die Diplomatie kenne nun mal keinen perfekten Deal, dozierte Lindsey Ford vom Asia Society Policy Institute in Washington. Das Alles-oder-nichts im Umgang mit Pjöngjang sei der falsche Ansatz, der Präsident müsse auf einen realistischeren Kurs einschwenken. Er müsse eine Vereinbarung ins Auge fassen, die das Atom- und Raketenprogramm Nordkoreas eindämme, ohne es sofort zu eliminieren. Trump müsse „die Kunst des nicht perfekten Deals“ erlernen.

Donald Trump, Solist und Spieler der Weltpolitik. Seine Gipfel-Absage brachte ihm auch außerhalb der USA harsche Kritik ein. Er brüskierte damit den Verbündeten Südkorea, dessen Präsident Moon Jae In sich besonders stark für ein erfolgreiches Treffen zwischen Trump und Kim eingesetzt hatte. Schließlich geht es um viel: nicht nur um atomare Abrüstung, sondern auch um einen dauerhaften Frieden auf der koreanischen Halbinsel. Kaum einem Konflikt folgt die Welt mit so angehaltenem Atem.



Immerhin, Washington und Pjöngjang ließen die Tür für einen Dialog offen – während noch analysiert wurde, was Trump genau bewogen haben könnte, den für den 12. Juni in Singapur geplanten Gipfel so plötzlich abzusagen, wenn das auch nicht ganz überraschend kam. Das Weiße Haus gibt Nordkorea die Schuld. Die USA wollten von Nordkorea zuletzt einen sofortigen, überprüfbaren und nachhaltigen Abbau des Atomprogramms. Nordkorea sieht eher eine schrittweise Lösung vor.

Doch die Zeichen standen am Freitag nicht auf endgültiges Aus, sondern auf Atempause, wenn überhaupt: So abrupt die Absage war, so überraschend fiel die Reaktion Nordkoreas aus. Statt scharfer Verbalattacken gegen einzelne US-Regierungsmitglieder, wie sie die kommunistische Führung zuletzt ausgeteilt hatte, gab es eher versöhnlichere Töne. Der Erste Vizeaußenminister Kim Kye Gwan beteuerte, Nordkorea sei weiter zu Verhandlungen bereit. Auch Südkorea äußerte Hoffnung, dass beide Seiten ihre diplomatischen Kanäle reaktivieren. Und China, das in dem Konflikt wegen seiner Kontakte zu Nordkorea eine wichtige Rolle spielt, bemühte sich um Schadensbegrenzung. Ein Außenamtssprecher spielte Trumps Absage als übliche „Dehnung“ bei der Vorbereitung eines Gipfeltreffens herunter.

Trump selbst, der seinen Absage-Brief trotz allem ungewöhnlich höflich gehalten hatte, zeigte sich dann geradezu milde. Per Twitter dankte er für das „warme und produktive Statement“ aus Nordkorea, hoffentlich führe es zu Wachstum und Frieden. Optimistisch klang derweil auch US-Verteidigungsminister James Mattis. „Die Diplomaten arbeiten immer noch an der Möglichkeit eines Gipfels“, sagte er. Sein Chef hatte da bereits fröhlich ein neues Statement abgegeben, vor dem Weißen Haus. Wer weiß, vielleicht finde das Treffen ja doch am 12. statt, sagte Trump. Und fügte hinzu: „Jeder spielt Spiele.“ Das Spielt geht also weiter.