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US-Präsident gegen Ex-CIA-Direktor
Trump straft Kritiker Brennan ab

Der frühere CIA Direktor John Brennan kritisierte Trump öffentlich. Der entzog ihm daraufhin seine spezielle Sicherheitsgenehmigung.
Der frühere CIA Direktor John Brennan kritisierte Trump öffentlich. Der entzog ihm daraufhin seine spezielle Sicherheitsgenehmigung. FOTO: dpa / Jim Lo Scalzo
Washington. Der Präsident nimmt dem Ex-CIA-Chef, der ihm schon lange suspekt war, den Zugang zu geheimen Informationen weg. Das hat es noch nie gegeben. Von Frank Herrmann

Die Sätze, die ihm zum Verhängnis wurden, sagte John Brennan spätabends in einem Fernsehstudio. Der Nachrichtensender MSNBC, das linksliberale Pendant zum rechtskonservativen Kanal Fox News, hatte den ehemaligen CIA-Direktor zugeschaltet, auf dass er Donald Trumps neueste Tiraden kommentiere. Es ging um Omarosa Manigault Newman, bis vor acht Monaten die ranghöchste Afroamerikanerin im Weißen Haus, neuerdings Autorin eines beißend kritischen Buches über den US-Präsidenten. Trump, ihr einstiger Mentor, hatte sie in einem typischen Akt der Rache als „Abschaum“ und „Hündin“ beschimpft, und Brennan wurde deutlich. Grimmig schaute er in die Kamera und sprach von einem Präsidenten, der mit seinen Schimpfwörtern, seiner Missachtung jeglicher Würde und seinen Sympathien für Autokraten den Ruf seines Amts besudele.

„Er ist, glaube ich, der polarisierendste Präsident, den wir je hatten. Er schürt Hass, Feindseligkeit und Missverständnisse zwischen Amerikanern.“ Trump gehe es nur darum, dem harten Kern seiner Anhänger rohes Fleisch vorzusetzen, will heißen: seine Fans zu bestätigen in ihren Vorurteilen.

Die Retourkutsche ließ nicht lange auf sich warten. Schon am nächsten Tag, Mittwoch, verkündete Trumps Sprecherin Sarah Huckabee Sanders, Brennan werde seine Sicherheitsfreigabe verlieren, die Berechtigung, vertrauliche Dokumente der Regierung zu lesen. Dass ehemalige Geheimdienstchefs auch dann noch Geheimberichte erhalten, wenn sie ihren Posten verloren haben, ist in den USA selbstverständlich. Veteranen wie Brennan sollen in der Lage sein, ihre Nachfolger, wenn sie denn gefragt werden, jederzeit kompetent zu beraten. Was voraussetzt, dass sie Zugang zu Interna haben. Keiner von Trumps Vorgängern im Oval Office hat dieses Procedere je infrage gestellt. Dem Historiker Douglas Brinkley fällt jedenfalls auf Anhieb kein einziges Beispiel ein. Trump, sagt Brinkley, habe einen Präzedenzfall geschaffen, und das nur, um einen Mann wie Brennan zu demütigen.



Vermutlich geschah es aus einer Laune heraus. Man weiß, dass Trump ausdauernd fernsieht, dass er bisweilen aus dem Stegreif Entscheidungen trifft, wenn er sich über einen bestimmten Fernsehauftritt ärgert. Brennan wiederum, neuerdings bei MSNBC unter Vertrag, war erst Antiterror-Berater und dann CIA-Chef unter Barack Obama. Eine Säule des Kabinetts Obama: Das an sich reicht schon, um bei Trump auf Misstrauen zu stoßen. Zudem war es Brennan, der kurz vor seinem Abgang offiziell bestätigte, dass sich die russische Regierung in den Wahlkampf des Jahres 2016 eingemischt habe. Trump sortiert ihn damit in die Schublade derer, die sein Team – aus seiner Sicht völlig zu Unrecht – verdächtigen, 2016 insgeheim mit dem Kreml kooperiert zu haben. Die Zweifel an der Legitimität seines Wahlsieges säen und nun nicht loslassen können. Leute, die eine Art Staat im Staate bilden und sich gegen ihn verschworen haben – so sieht es Trump.

Außer Brennan gehören in seinen Augen zu den Verdächtigen: der von ihm gefeuerte FBI-Chef James Comey, Obamas Sicherheitsberaterin Susan Rice, Ex-Geheimdienstkoordinator James Clapper sowie Michael Hayden, einst Direktor der CIA und der NSA. Auch ihnen könnte Trump demnächst die Sicherheitsfreigabe entziehen. Die Namen, teilte das Weiße Haus mit, stehen bereits auf einer entsprechenden Liste. Was die Genannten miteinander verbindet, ist die Tatsache, dass sie sich nicht scheuen, in Fernsehstudios Kritik an Trump zu üben, an einem Mann, der auf Widerworte notorisch dünnhäutig reagiert.

US-Präsident Donald Trump reagiert bekanntlich recht dünnhäutig
auf Kritik.
US-Präsident Donald Trump reagiert bekanntlich recht dünnhäutig auf Kritik. FOTO: dpa / Carolyn Kaster