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Kramp-Karrenbauer greift Merz an
Ton im Kampf um CDU-Spitze wird rauer

Die Generalsekretärin der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer.
Foto: Kappeler/dpa
Die Generalsekretärin der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer. Foto: Kappeler/dpa FOTO: dpa / Michael Kappeler
Berlin/Lübeck. Die drei Kandidaten für den CDU-Vorsitz haben endgültig in den Wahlkampfmodus umgeschaltet. Annegret Kramp-Karrenbauer warnte ihren Konkurrenten Friedrich Merz davor, den Spitzenposten in der Partei nur als Vehikel für den Einzug ins Kanzleramt anzusehen.

Der Ton der Kandidaten im Ringen um den CDU-Vorsitz wird gut drei Wochen vor dem Wahlparteitag in Hamburg rauer. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer warnte ihren Konkurrenten Friedrich Merz davor, den Spitzenposten in der Partei nur als Vehikel für den Einzug ins Kanzleramt anzusehen. „Es wäre fatal, wenn der Eindruck entstünde, dass man den Parteivorsitz eher als notwendiges Übel betrachtet, das man eingehen muss, um in das wichtigste Staatsamt zu kommen. Das hat auch etwas mit Respekt vor unseren CDU-Mitgliedern zu tun“, sagte sie dem „Spiegel“ .

Der Rückzug von Merz aus der Politik 2009 sei eine Entscheidung gewesen, die sie respektiere, sagte Kramp-Karrenbauer. „Ich habe mich anders entschieden, bin geblieben und habe die CDU seitdem gemeinsam mit vielen anderen mitgestaltet und fortentwickelt.“ Ähnlich hatte sich auch schon der dritte Kandidat für denn CDU-Vorsitz, Gesundheitsminister Jens Spahn, geäußert. Er hatte auf der ersten Regionalkonferenz zur Vorstellung der Kandidaten am Donnerstag in Lübeck gesagt, er habe in den vergangenen Jahren ungefähr 250 Termine an der Parteibasis vor Ort absolviert.

Für die CDU besteht derweil die Gefahr, dass es zwischen Partei- und Regierungszentrum künftig Spannungen geben könnte. Alle Kandidaten für den CDU-Vorsitz – Kramp-Karrenbauer, Merz und Spahn – hatten zwar bei der Regionalkonferenz Kanzlerin Angela Merkel nach ihrem Ausscheiden als Parteivorsitzende weiterhin loyale Zusammenarbeit zugesagt. Gleichzeitig mahnten sie aber in dem Dreieck Partei, Unionsfraktion und Kanzleramt mehr Macht und Einfluss der Partei auf das Regierungshandeln an. Die Kanzlerin dürfte aber künftig vor allem die Zusammenarbeit mit der Fraktion suchen.



Am Donnerstagabend hatten sich die drei Kandidaten in Lübeck auf der ersten von acht Regionalkonferenzen vor etwa 800 Parteimitgliedern präsentiert. Merz und Spahn versicherten dabei, sie würden im Falle der Wahl zum CDU-Vorsitzenden auf dem Parteitag am 7. Dezember in Hamburg nicht gleich ans nächste Amt denken – gemeint war die Kanzlerschaft.

Den längsten Applaus der Parteimitglieder nach ihrer zehnminütigen Vorstellung zu Beginn der dreistündigen Veranstaltung erhielt Kramp-Karrenbauer (41 Sekunden), gefolgt von Merz (30 Sekunden) und Spahn (15 Sekunden).