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Deutsche Journalistin
Mesale Tolu fliegt zu ihrem Prozess in die Türkei

Die deutsche Journalistin Mesale Tolu ist in der Türkei
wegen Terrorvorwürfen
angeklagt.
Die deutsche Journalistin Mesale Tolu ist in der Türkei wegen Terrorvorwürfen angeklagt. FOTO: dpa / Federico Gambarini
Istanbul. Die deutsche Journalistin reist zurück in das Land, in dem sie sieben Monate in Haft saß. Ein Grund ist ihr Mann – dem die Ausreise bisher verwehrt wurde. dpa

Nur knapp zwei Monate nach ihrer Ausreise fliegt die wegen Terrorvorwürfen in der Türkei angeklagte deutsche Journalistin Mesale Tolu zur Fortsetzung ihres Prozesses zurück in die Türkei. Der Prozess beginne diesen Dienstagvormittag „und ich werde hinreisen“, sagte die aus Ulm stammende Tolu gestern. Sie wolle sich persönlich gegen alle Vorwürfe verteidigen und Freispruch beantragen.

Tolu sagte weiter, sie werde mit ihrem Erscheinen vor Gericht in Istanbul auch ihrem ebenfalls angeklagten Mann Suat Corlu zur Seite stehen. Zur Verhandlung selbst wollte sich Tolu „aus Sicherheitsgründen“ nicht äußern. Ihre Anwältin Kader Tonc sagte, sie erwarte noch kein Urteil.

Der 33-jährigen Tolu wird die Mitgliedschaft in einer Terrororganisation vorgeworfen – gemeint ist die linksextreme Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei MLKP. Die Journalistin und Übersetzerin war Ende April 2017 in Istanbul festgenommen worden und saß mehr als sieben Monate lang in Untersuchungshaft. Im Dezember kam sie zwar frei, ihre Ausreisesperre wurde jedoch erst Monate später aufgehoben. Ende August kehrte Tolu dann mit ihrem dreijährigen Sohn nach Deutschland zurück. Ihrem Mann, der türkischer Staatsbürger ist, wurde die Ausreise bislang verwehrt.



„Es wird höchste Zeit, Mesale Tolu von den absurden Terrorvorwürfen freizusprechen und die Ausreisesperre gegen ihren Mann aufzuheben“, sagte der Geschäftsführer der Organisation Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr. „Ihr angebliches Verbrechen ist kritischer Journalismus, den Präsident Erdogan mit beispielloser Härte unterdrückt.“

Die endgültige Entscheidung, persönlich an dem Verfahren teilzunehmen, sei am Sonntag nach Rücksprachen mit ihren Anwälten getroffen worden, sagte der Sprecher von Tolus Unterstützergruppe, Cengiz Dogan. Die Juristen seien der Meinung, dass keine Gefahr einer erneuten Festnahme der deutschen Staatsbürgerin bestehe. Sollte dies doch geschehen oder sollte sie in dem Gerichtsverfahren eine Gefängnisstrafe erhalten, werde der Solidaritätskreis „Freiheit für Mesale Tolu“ in Deutschland erneut Protestaktionen organisieren.

Tolu hatte in Istanbul für die linke Nachrichtenagentur Etha gearbeitet. Ihr Fall hatte im vergangenen Jahr die Beziehungen der Türkei zu Deutschland schwer belastet – ebenso wie die Inhaftierung des „Welt“-Reporters Deniz Yücel und des Menschenrechtlers Peter Steudtner. Beide sind inzwischen ebenfalls frei und zurück in Deutschland. Noch immer sitzen nach offiziellen Angaben jedoch fünf Deutsche aus politischen Gründen in türkischen Gefängnissen.