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Memoirenband erschienen
Todkranker John McCain attackiert Trump

 US-Senator John McCain leidet an einem Hirntumor.
US-Senator John McCain leidet an einem Hirntumor. FOTO: dpa / J. Scott Applewhite
Washington. Im seinem Memoirenband, der gestern erschien, plädiert der Republikaner für ein Amerika der Ideale. Von Frank Herrmann

John McCain weiß, dass er bald sterben wird. Seit zehn Monaten weiß der 81-Jährige, dass er an einem unheilbaren Hirntumor leidet. Im Senat in Washington, in dem er den Wüstenstaat Arizona vertritt, hat man ihn seit Längerem nicht mehr gesehen. Auf seiner Ranch empfängt er alte Weggefährten, republikanische Parteifreunde wie oppositionelle Demokraten, die wiederum ein Hohelied auf die Charakterstärke des todkranken Mannes singen. „Meine Stunde hat geschlagen“, schreibt McCain in einem Buch, aller Wahrscheinlichkeit nach seinem letzten.

„The Restless Wave“, gestern in den USA erschienen, ist mehr als ein Memoirenband. Es ist ein Plädoyer für eine Republik, die weltweit für ihre Ideale kämpft, statt sich von der Welt abzuschotten. Die für Werte steht, statt strikt an den eigenen Vorteil zu denken. Und da mit Donald Trump ein strikt auf den eigenen Vorteil bedachter Nationalist im Weißen Haus residiert, ist es auch eine Kritik an Trump.

Den rügt der 81-Jährige etwa dafür, dass er in der Flüchtlingskrise jegliche Empathie vermissen lasse. Die Welt erwarte ein Amerika, das sich der Probleme der Menschheit annehme. „Wir sollten stolz sein auf diesen Ruf. Ich bin nicht sicher, ob der Präsident das versteht.“ Trump, schreibt McCain an anderer Stelle, scheine der moralische Charakter von Herrschern nicht zu interessieren. „Zur Schau gestellte Härte oder ein Reality-Show-Faksimile von Härte scheinen ihm wichtiger zu sein als unsere Werte. Mit Schmeicheleien sichert man sich seine Freundschaft, mit Kritik seine Feindschaft.“



McCain, auch das gehört zu seinem Vermächtnis, hat im Zweifel fast immer für bewaffnete Interventionen plädiert, um Tyrannen in den Arm zu fallen. Selbst dann noch, als eine Mehrheit seiner Landsleute, ernüchtert durch den Irakkrieg, das anders sah. Barack Obama, der sich weigerte, in Syrien einzugreifen, war in seinen Augen der ewige Zauderer. „Regime Change“ ist für ihn kein Konzept amerikanischer Hybris, sondern Verpflichtung für ein Land, in dem er unbeirrt einen Segen für den Planeten sieht. McCain, der Hardliner mit einem Hang zur Verklärung. Nur ändert das nichts an den Sympathien, die er über Parteigrenzen hinweg genießt.

Er war 31, als das Kampfflugzeug, in dem er saß, 1967 über Hanoi abgeschossen wurde. Er katapultierte sich aus der Maschine, brach sich beide Arme und ein Bein und wurde zum Kriegsgefangenen. McCain saß fünfeinhalb Jahre im „Hanoi Hilton“, wie die GIs das Gefängnis nannten. Trump ließ sich von einem Arzt einen Fersensporn attestieren, um während des Vietnamkriegs nicht zum Militär eingezogen zu werden.

McCain ging auf die Barrikaden, als bekannt wurde, dass die CIA unter George W. Bush Terrorverdächtige folterte. Er blieb konsequent, als er neulich davor warnte, Gina Haspel, einst Leiterin eines Foltergefängnisses, zur CIA-Direktorin zu küren.