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Tobias Hans
„Wir müssen wieder kontroverser und lebhafter diskutieren“

Der saarländische Ministerpräsident 
Tobias Hans (CDU)
Der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) FOTO: dpa / Oliver Dietze
Berlin/Saarbrücken . Der Saar-Regierungschef fordert mehr junge Leute und mehr Frauen in der Parteispitze der CDU – und eine stärkere Einbindung der Basis. Von Werner Kolhoff und Stefan Vetter

Tobias Hans gehört zu den Nachwuchstalenten der CDU. Der 40-Jährige ist erst seit März Ministerpräsident des Saarlandes, mischt aber schon kräftig auf der Bundesbühne mit. Er äußerte sich zur neuen Lage in der Partei.

Droht der CDU jetzt ein Personalhickhack?

HANS Nein. Wenn überhaupt, wird es eher ein Wettbewerb von Ideen sein. Vor kurzem noch hat man der Union vorgeworfen, dass sie personell nicht für die Zeit nach Merkel gerüstet sei, von der man immer wusste, dass sie irgendwann kommen musste. Jetzt zeigt sich, dass es offenbar mehrere sehr respektable Bewerber gibt. Das ist ein Pfund, mit dem wir wuchern können.



Versteckt sich hinter der Personalentscheidung ein Richtungsstreit? Merkelianer gegen Merzianer?

HANS Jeder Bewerber verkörpert immer auch eine bestimmte Richtung. Wenn wir Volkspartei sein und bleiben wollen, sind wir gut beraten, einen Vorsitzenden oder eine Vorsitzende zu wählen, die in der Mitte der Gesellschaft steht und alle unsere Wurzeln leben lässt. Dazu zählt das Konservative, das Liberale und das Soziale.

Haben Sie eine Präferenz?

HANS Es wird nicht verwundern, dass ich mich für meine Amtsvorgängerin Annegret Kramp-Karrenbauer ausspreche…

Aber sie ist Ziehkind von Angela Merkel.

HANS Richtig ist, dass sich Annegret Kramp-Karrenbauer gut mit Angela Merkel versteht. Ein guter Draht der neuen Parteivorsitzenden mit der Kanzlerin kann wahrlich nicht schädlich sein.

Ist der nächste Parteichef automatisch auch der nächste Kanzlerkandidat der Union?

HANS Es geht jetzt vordringlich darum, einen neuen Parteivorsitzenden zu wählen. Es ist für uns ein Novum, dass der Kanzler nicht mehr gleichzeitig Parteichef ist. Dieses Experiment sehe ich auch als Chance, die Partei wieder stärker zu betonen und daran zu arbeiten, dass wir Volkspartei bleiben. Wir müssen wendig bleiben, dürfen dem Zeitgeist aber auch nicht hinterherlaufen, sondern müssen ihn mit bestimmen. Ich sehe uns gut aufgestellt, wenn wir es jetzt schaffen, in einer Zeit des Umbruchs vernünftig miteinander umzugehen und überzeugende Antworten auf die Fragen zu geben, die die Menschen bewegen.

Die Jungen in der CDU sind in der Spitze bisher wenig vertreten. Muss es da unterhalb des Vorsitzenden Veränderungen geben?

HANS Mindestens im Präsidium sollten wir dafür sorgen, dass mehr junge Köpfe vorkommen. Ich denke etwa an Michael Kretschmer, den sächsischen Ministerpräsidenten, oder Mike Mohring, der die Chance hat, Ministerpräsident in Thüringen zu werden. Zudem halte ich es für wichtig, dass wir sichtbar Frauen in Führungspositionen der Partei haben. Reine Männerriegen, wie wir sie zum Beispiel an der Spitze des Bundesinnenministeriums haben, sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Dass die Grünen so stark abgeschnitten haben, liegt auch daran, dass sie bei der Repräsentanz von Frauen eben besser aufgestellt sind als die CDU.

Sollte die Union diese Zäsur auch nutzen, um mehr Mitbestimmung der Basis einzuführen, etwa eine Urwahl von Vorsitzendem und/oder Kanzlerkandidaten?

HANS Wir sind mit dem Delegiertenprinzip gut aufgestellt. Es muss aber aufhören, dass wir Parteitage abhalten, wo alle Delegierten mit geballter Faust in der Tasche sitzen. Wir müssen auf unseren Parteitagen wieder kontroverser und lebhafter diskutieren statt einfach nur abzunicken. Wir müssen der Basis einfach mehr zuhören. Was Annegret Kramp-Karrenbauer mit ihrer „Zuhör“-Tour begonnen hat, das muss neuer Stil der CDU werden.

Das Gespräch führten 
Werner Kolhoff und Stefan Vetter