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Bahnstreik im Grand Est
Streik, aber kein großes Chaos in Nachbarregion Grand Est

Straßburg. Von Hélène Maillasson Von Hélène Maillasson

Ganz unvorbereitet traf der Bahnstreik die Passagiere in der Region Grand Est gestern nicht. Seit Wochen war der Streikplan in ganz Frankreich, also auch in der Nachbarregion zu Rheinland-Pfalz und dem Saarland, bekannt und die Behörden hatten vorgesorgt. Schon letzte Woche verschickte die Region mit Sitz in Straßburg eine Karte mit 410 „Coworking“-Arbeitsplätzen zum Ausweichen, im Elsass, Lothringen und Champagne-Ardennes. Die Botschaft: Wer nicht zwingend an seinem Schreibtisch gebraucht wird und seine Arbeit von woanders erledigen kann, soll es an den Streiktagen tun. Trotzdem bleibt die Region Grand Est, die an Deutschland, Luxemburg, Belgien und die Schweiz angrenzt, als Pendlerraum anfällig für Probleme im Verkehrsnetz. Doch die Not machte erfinderisch. Im Raum Nancy etwa schlossen sich 245 Firmen zusammen, deren Mitarbeiter regelmäßig nach Paris pendeln, und organisierten einen Shuttle-Bus.

Vor allem für Grenzgänger von Lothringen nach Luxemburg war befürchtet worden, dass die zahlreichen Zugausfälle die ohnehin angespannte Lage auf der Autobahn verstärken würden. Doch genau auf dieser stark frequentierte Strecke hatte die französische Bahngesellschaft SNCF viele Hebel in Bewegung gesetzt, um so viele Regionalzüge wie möglich zu stellen. Immerhin: Statt der 55 Pendel-Verbindungen zwischen Metz und Luxemburg gab es 20. Auch wenn die Waggons dementsprechend voll waren, blieb es im Vergleich zu anderen Teilen der Region eine hohe Zahl. Manche Verbindungen wie die direkte und schnelle zwischen Paris und Saarbrücken fielen dagegen komplett aus. In den Vogesen fuhr gestern kein einziger Zug, nur Ersatzbusse.

Auch auf der Autobahn Richtung Großherzogtum blieb das erwartete Chaos aus. Viele Pendler hatten im Vorfeld auf Mitfahrgelegenheiten gesetzt, verschiedene Apps hatten einen Boom bei Anmeldungen registriert. Viele Pendler arbeiteten an dem Tag lieber von Zuhause aus. Außerdem hatten sich die Lothringer, die im Saarland arbeiten und mit der Bahn pendeln, auf Zugausfälle eingestellt und Sammelstellen für Mitfahrgelegenheiten in der Nähe von Forbach und Saargemünd organisiert. Zwischen Metz und Saarbrücken fuhren gestern keine Regionalzüge, doch die SNCF stellte Ersatzbusse zur Verfügung. Das Gleiche bot die Saarbahn für die Teilstrecke zwischen Hanweiler und Saargemünd an.



Organisation ist weiterhin gefragt: Heute will die SNCF ähnlich viele Züge bereitstellen wie gestern. Für die gesamte Region Grand Est bedeutet das, dass durchschnittlich zwei von zehn Schnell-, sowie einer von zehn Regionalzügen fahren sollten. Weiterhin werden die Pendler ermuntert, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen. Ab Donnerstag gilt für Fahrgäste dann eine dreitägige Verschnaufpause, bevor für Sonntag und Montag die nächsten Streiktage angekündigt sind. In diesem Rhythmus wollen die Gewerkschaften den Arbeitskampf bis Ende Juni fortsetzen.

Ob ihr Zug fährt, ausfällt oder durch einen Bus ersetzt wird, können Pendler oder Reisende nach Frankreich jeden Abend ab 17 Uhr auf der Internetseite der SNCF einsehen. Fahrkarten, die nicht genutzt werden können, werden erstattet.