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Homburger Virologe warnt vor überstürzten Reaktionen
In Deutschland wächst Sorge vor Corona-Seuche

Berlin/Homburg. Während Minister Spahn eine Ausbreitung im Land nicht ausschließt, warnt der Homburger Virologe Dr. Jürgen Rissland vor überstürzten Reaktionen. Von Manuel Görtz und Nina Drokur

Angesichts der Ausbreitung des neuen Coronavirus Sars-CoV-2 im Norden Italiens bereitet sich die Bundesregierung auch auf eine gravierendere Lage in Deutschland vor. „Die Corona-Epidemie ist als Epidemie in Europa angekommen“, sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag. „Deshalb müssen wir damit rechnen, dass sie sich auch in Deutschland ausbreiten kann.“

Der leitende Oberarzt im Institut für Virologie am Universitätsklinikum des Saarlandes sieht dies ähnlich, warnt aber vor überstürzten Reaktionen. „Es gibt keinen Grund zur Panik“, sagt Dr. Jürgen Rissland. Die meisten bisherigen Fälle seien mild verlaufen. „Für einen gesunden Erwachsenen ist die Gefahr überschaubar.“

In Italien forderte der Ausbruch der Krankheit unterdessen bereits sechs Todesopfer, die nach Angaben der Behörden allerdings alle Vorerkrankungen hatten. Mehr als 220 Menschen sind infiziert. Auf die Frage, ob wie in Italien auch in Deutschland notfalls ganze Städte abgeriegelt werden könnten, sagte Spahn, theoretisch sei vieles denkbar. Notwendig sei so ein Schritt aber nicht.



China meldete derweil am Montag weitere 150 Covid-19-Todesfälle. Inzwischen sind nun mehr als 77 000 Infektionen und rund 2600 Todesfälle erfasst, überwiegend in der schwer betroffenen Provinz Hubei in Zentralchina.

Die Ausbreitung des Coronavirus wirkt sich auch auf die Wirtschaft aus. Aktienkurse brachen zum Wochenbeginn ein, die Ölpreise gaben nach. Die außenwirtschaftlichen Risiken für die heimischen Unternehmen hätten sich durch das Coronavirus erhöht, sagte der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer im Saarland, Carsten Meier. „Noch ist es aber zu früh, die genauen Auswirkungen auf die Saar-Wirtschaft zu beziffern“.