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Signale per Kriegsschiff

Istanbul. Der Streit zwischen der Türkei und Russland zieht immer weitere Kreise: Der Kreml hat inzwischen ein geplantes Treffen von Präsident Putin und seinem türkischen Amtskollegen Erdogan abgesagt. Susanne Güsten

Die Bosporus-Meerenge in der türkischen 15-Millionen-Metropole Istanbul ist gestern zum Schauplatz der türkisch-russischen Krise geworden. Demonstrativ begleitete ein türkisches U-Boot das russische Kriegsschiff "Cäsar Kunikow" während der Durchfahrt durch die Meerenge. Anfang des Monats hatte ein russischer Soldat auf dem Schiff während einer früheren Bosporus-Passage mit einem Luftabwehr-Geschoss posiert und damit wütende Reaktionen der Türkei ausgelöst. Auch auf politischer Ebene halten die Spannungen an: Der Kreml sagte ein Treffen von Präsident Wladimir Putin mit seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan ab.

Hochgerüstete Kriegsschiffe , die sich mitten in einer Millionen-Metropole und in einer der meist befahrenen Schifffahrtsrouten der Welt belauern - der Streit zwischen der Türkei und Russland seit dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeuges an der syrischen Grenze am 24. November zieht immer weitere Kreise. Der Bosporus ist laut dem Vertrag von Montreux aus dem Jahr 1936 ein internationales Gewässer, über das die Türkei nur begrenzte Rechte hat.

Am Wochenende hatte ein Schiff der russischen Kriegsmarine in der Ägäis einige Warnschüsse auf ein türkisches Fischerboot abgegeben, das nach russischen Angaben zu nahe gekommen war. Im Schwarzen Meer soll ein türkischer Frachter von russischen Kriegsschiffen abgedrängt worden sein.

Die türkische Regierung hofft immer noch, dass Moskau nach den Sanktionsdrohungen und Vorwürfen an Erdogan persönlich bald wieder zur Normalität zurückkehren wird. Er wolle keine Spannungen mit Russland, sondern die strategische Partnerschaft mit Moskau fortsetzen, sagte Erdogan jetzt. Nur wegen eines Pilotenfehlers dürften die Beziehungen nicht aufs Spiel gesetzt werden, betonte er mit Blick auf die türkische Darstellung, die Piloten des abgeschossenen russischen Jets hätten mehrere Warnungen ignoriert und türkisches Hoheitsgebiet verletzt. Moskau weist diese Version der Ereignisse zurück.

Auch denkt die russische Führung offenbar nicht daran, zur Tagesordnung zurückzukehren. Putins Sprecher Dimitri Peskov erklärte, der turnusgemäße türkisch-russische Gipfel in St. Petersburg werde nicht stattfinden. Der russische Botschafter in Ankara, Anderj Karlow, sagte der "Cumhuriyet", für Russland sei der 24. November ein Wendepunkt gewesen. Ohne eine Entschuldigung der Türkei für den Flugzeugabschuss, eine Bestrafung der Verantwortlichen und eine Entschädigungszahlung werde es keine Rückkehr zu normalen Beziehungen geben.

Bisher lehnt die Türkei eine Entschuldigung ab. Zudem wirft Ankara den russischen Militärs vor, in Syrien mit rabiaten Mitteln gegen alle Gegner des mit Moskau verbündeten Präsidenten Baschar al-Assad vorzugehen. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sprach in einer Begegnung mit ausländischen Journalisten in Istanbul von einer "ethnischen Säuberung" durch russische Luftangriffe.