| 23:18 Uhr

Nominierung fraglich
Frau wirft Supreme-Court-Kandidaten sexuellen Übergriff vor

Brett Kavanaugh soll vor mehr als 30 Jahren eine Mitschülerin sexuell belästigt haben.
Brett Kavanaugh soll vor mehr als 30 Jahren eine Mitschülerin sexuell belästigt haben. FOTO: AP / Alex Brandon
Washington. Angesichts der Anschuldigungen gegen Brett Kavanaugh fordern auch Republikaner, den Nominierungsprozess für das oberste Gericht der USA zu unterbrechen. dpa/ap

Der mögliche Supreme-Court-Richter Brett Kavanaugh muss um seine Nominierung bangen. Ihm wird vorgeworfen, vor mehr als 30 Jahren eine ehemalige Mitschülerin sexuell belästigt zu haben. Nach zahlreichen Oppositionspolitikern fordern nun erstmals auch Republikaner, den Nominierungsprozess für Kavanaugh im Senat bis zur Klärung der Vorwürfe zu unterbrechen. Kavanaugh soll eigentlich am Donnerstag vom Justizausschuss des Senats empfohlen und vom Senat dann noch im September offiziell ernannt werden.

Eine Professorin aus Kalifornien behauptet, Kavanaugh habe sich nach einer Schülerparty Anfang der 1980er Jahre auf sie geworfen und ihr den Mund zugehalten, so dass sie sich nicht durch Schreien habe wehren können. Zudem habe er sie begrapscht und versucht, ihr die Kleider auszuziehen. Sie sei davon ihr ganzes Leben psychisch beeinträchtigt gewesen. Kavanaugh bestreitet die Vorwürfe energisch. Weder in der High School noch zu einem anderen Zeitpunkt habe er so etwas getan, hieß es in einer Erklärung. Die Vorwürfe waren von der Frau zunächst anonym vorgebracht worden, am Sonntag veröffentlichte die „Washington Post“ jedoch ein Interview mit der Frau.

Der republikanische Senator Jeff Flake sagte, im Moment habe er kein gutes Gefühl, für Kavanaugh zu stimmen. Er wolle hören, was das mutmaßliche Opfer noch zu sagen habe. Flakes Parteikollege Bob Corker meinte, die Abstimmung im Justizausschuss über den Richterkandidaten von Präsident Donald Trump solle verschoben werden. Die Demokraten fordern dies ohnehin.



Ein Sprecher des Justizausschusses sagte, dessen Vorsitzender Chuck Grassley versuche, Kavanaugh und die Professorin telefonisch befragen lassen. Er könnte Letztere aber auch vor dem Abstimmungstermin zu einer geschlossenen Sitzung in den Ausschuss einladen. Anschließend wäre Kavanaugh noch einmal an der Reihe. Auch ein damals anwesender Freund könne befragt werden.

Das Weiße Haus erklärte, Kavanaugh sei bereits über mehrere Tage hinweg befragt und vom FBI durchleuchtet worden. Die Demokratin Dianne Feinstein, ranghöchstes Mitglied ihrer Partei in dem Ausschuss, wisse im Übrigen schon seit Ende Juni von den Vorwürfen und hätte die Sache dem Gremium schon früher vorlegen können. Feinstein versuche, „um fünf vor zwölf“ die Bestätigung Kavanaughs zu verschleppen. „Das Ganze wirft eine Menge Fragen über Taktiken und Motive der Demokraten auf“.

In einem Brief verteidigten 65 Weggefährtinnen Kavanaughs aus dessen High-School-Zeit den Supreme-Court-Anwärter. Er habe „Frauen immer mit Anstand und Respekt behandelt“, hieß es in dem Schreiben.

Kavanaugh ist ein erzkonservativer Jurist, den US-Präsident Donald Trump für eine freigewordene Position am Obersten-US-Gerichtshof vorsah. Supreme-Court-Richter sind in den USA hochpolitische Positionen.