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Tag der älteren Generationen
Senioren-Organisationen fordern Pflegezeit für Senioren analog zur Elternzeit

Berlin/Bonn. Zum heutigen Tag der älteren Generationen haben Interessenvertreter von Senioren verbesserte Bedingungen in den Pflegeeinrichtungen und eine höhere Anerkennung von pflegenden Angehörigen angemahnt. Es werde politisch nicht genug getan, um für Senioren eine bezahlbare und hochwertige Pflege sicherzustellen, erklärte die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Ulrike Mascher, gestern in Berlin. Außerdem fehle es „gerade im ländlichen Bereich oft an Ärzten und adäquaten medizinischen Angeboten für Ältere“.

„Der demografische Wandel schreitet in Deutschland voran. Bereits jetzt leben hierzulande 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner, Tendenz steigend“, betonte Mascher. Trotz dieser Zahl fehle Politik, Wirtschaft und Gesellschaft oft der Blick für die Bedürfnisse der älteren Generationen.

Der Verband drängt auch auf eine verbesserte Barrierefreiheit.

Während Behörden und Verwaltungen zur Barrierefreiheit verpflichtet seien, setze der Gesetzgeber in der Privatwirtschaft auf das Prinzip der Freiwilligkeit. Weil das kaum funktioniere, fordert der VdK verbindliche Vorgaben.



Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (Bagso) wünscht sich für pflegende Angehörige eine mehrmonatige Pflegezeit nach dem Modell der Elternzeit. In Deutschland würden die meisten Hilfsbedürftigen zu Hause von ihren meist auch berufstätigen Angehörigen gepflegt, erklärte der Bagso-Vorsitzende Franz Müntefering. „Was uns für Eltern heute als selbstverständlich erscheint, muss auch für pflegende Angehörige gelten. Sie brauchen eine staatlich finanzierte Lohnersatzleistung, mindestens für einige Monate.“

Die aktuellen Regelungen des Pflegezeitgesetzes, die zur Vereinbarkeit von beruflichen und pflegerischen Aufgaben beitragen sollen, reichten nicht aus, betonte der ehemalige SPD-Chef. Das zinslose Darlehen, das pflegenden Angehörigen seit 2015 angeboten wird, sei nach Auskunft des Bundesfamilienministeriums im vergangenen Jahr lediglich 181 Mal bewilligt worden und habe sich nicht bewährt. Deshalb seien gesetzliche Neuregelungen notwendig, sagte Müntefering.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft fordert mehrmonatige berufliche Freistellungen, die wie beim Elterngeld aus Steuergeldern finanziert werden könnten. Zudem müsse es eine Rückkehrgarantie in den Betrieb geben. Änderungen sind nach Ansicht der Bagso auch beim Anspruch auf zehn arbeitsfreie Tage bei kurzzeitiger Verhinderung durch Pflegeaufgaben notwendig. Beschäftigten mit Pflegeverantwortung sollten diese zehn Tage nicht nur einmalig, sondern jährlich zustehen, wie berufstätigen Eltern, deren Kinder krank sind.