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Schnelle Hilfen für Missbrauchsopfer

Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann. Foto: Frey/dpa
Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Stephan Ackermann. Foto: Frey/dpa
Berlin. Der Runde Tisch zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs in Institutionen und Familien hat sich einstimmig auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket verständigt: Es geht um schnelle Hilfen für Opfer, Therapien und Entschädigungen, aber auch um Prävention und Ursachenerforschung. Nach eineinhalbjähriger Arbeit legte der Runde Tisch gestern seinen Abschlussbericht vor

Berlin. Der Runde Tisch zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs in Institutionen und Familien hat sich einstimmig auf ein umfangreiches Maßnahmenpaket verständigt: Es geht um schnelle Hilfen für Opfer, Therapien und Entschädigungen, aber auch um Prävention und Ursachenerforschung. Nach eineinhalbjähriger Arbeit legte der Runde Tisch gestern seinen Abschlussbericht vor. Zu seinen Vorschlägen gehört auch ein Hilfsfonds von 100 Millionen Euro, der vor allem Opfern sexuellen Missbrauch in Familien unbürokratisch zu Gute kommen soll - also dort, wo die Entschädigungsfrage unklar ist. Der Bund soll die Hälfte der Summe tragen, die restliche Finanzierung soll bald mit den Ländern beraten werden.Das 60-köpfige Gremium beschloss zudem, dass Betroffene länger als bisher die Möglichkeit erhalten, auf Schadenersatz zu klagen. Die zivilrechtliche Verjährungsfrist soll von derzeit drei auf 30 Jahre verlängert werden. In Leitlinien für Institutionen wird festgelegt, dass Polizei und Staatsanwaltschaft im Verdachtsfall möglichst schnell einzuschalten sind. Einrichtungen wie Schulen oder Sportvereine sollen künftig nur dann staatlich gefördert werden, wenn sie mit dem öffentlichen Träger Vereinbarungen zur Prävention geschlossen haben. Das Bundesforschungsministerium fördert über drei Jahre Forschungsprojekte zu sexualisierter Gewalt mit 30 Millionen Euro.

Der Missbrauchsbeauftragte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, sagte, der Runde Tisch habe das Signal gesetzt, dass das Thema Missbrauch die ganze Gesellschaft angehe. Mit dem Abschlussbericht sei das Thema nicht erledigt. Das betonte auch der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Prälat Bernhard Felmberg: "Die letzte Sitzung des Runden Tisches ist kein Schlusspunkt, sondern ein Anfang: Jetzt muss sich bewähren, was auf den Weg gebracht wurde." Die Bundesinitiative der Betroffenen von sexualisierter Gewalt kritisierte die finanzielle Begrenzung der Hilfsmaßnahmen. Die Betroffenen bräuchten oft über viele Jahre hinweg Hilfe. Zudem forderte die Initiative einen Ausbau des Beratungsnetzwerks. dpa/dapd