| 22:06 Uhr

EU-Gipfel in Brüssel
Scharfe Töne gegen Russland, Entspannung mit den USA

HANDOUT - 22.03.2018, Belgien, Brüssel: Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union sitzen beim Gipfeltreffen. Foto: Dragan Tatic/BUNDESKANZLERAMT/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
HANDOUT - 22.03.2018, Belgien, Brüssel: Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union sitzen beim Gipfeltreffen. Foto: Dragan Tatic/BUNDESKANZLERAMT/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: Dragan Tatic / dpa
Brüssel. Der EU-Gipfel wollte eigentlich beraten, wie Europa wettbewerbsfähiger werden kann. Doch dann ging es zunächst um andere Baustellen der Weltpolitik.

Der EU-Gipfel in Brüssel ist gestern von den globalen Krisen eingeholt worden. Nach Appellen von Kanzlerin Angela Merkel und anderen EU-Staats- und Regierungschefs teilte US-Präsident Donald Trump am Abend mit, man werde im Streit über Strafzölle nun zunächst mit der EU verhandeln. Damit schwindet vorerst die Gefahr eines Handelskriegs mit dem Bündnispartner. Die Spannungen der EU mit Russland wachsen indes.

Hintergrund ist der Giftanschlag auf den ehemaligen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter in Salisbury Anfang März. Großbritannien beschuldigt Russland, dahinter zu stehen, wie Premierministerin Theresa May in Brüssel bekräftigte: „Russland hat eine schamlose und rücksichtslose Attacke gegen Großbritannien verübt“, sagte May. Dies sei „Teil eines Musters russischer Aggression gegen Europa und seine Nachbarn“.

Kanzlerin Merkel bekräftigte ihre „Solidarität und Unterstützung“ mit May. Es sei gut, dass die Stoffe, die bei der Attacke auf Skripal zum Einsatz kamen, nun von den Chemiewaffenbehörden untersucht werden könnten. Die EU hat von Russland lückenlose Aufklärung des Anschlags verlangt. Auch weitere Sanktionen sind im Gespräch, stehen aber nach Angaben von EU-Diplomaten jetzt nicht zur Entscheidung an. Der Entwurf der Schlusserklärung zum EU-Gipfel vermied scharfe Anschuldigen an die Adresse Moskaus. Doch hieß es darin: Der Europäische Rat „nimmt die Einschätzung der Regierung des Vereinigten Königreichs, wonach es sehr wahrscheinlich ist, dass die Russische Föderation dafür verantwortlich ist, äußerst ernst“. Man werde sich darüber abstimmen, „welche Konsequenzen in Anbetracht der Antworten der russischen Behörden zu ziehen sind“.



EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker warb dafür, trotz aller Spannungen den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen. Die Europäische Union müsse sich mit ihren Nachbarn ins Benehmen setzen, ohne eigene Werte aufzugeben oder Prinzipien zu verraten, sagte Juncker er.

Zu der Nachricht aus Washington, dass die Europäische Union zunächst von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium ausgenommen bleibt, sagten Juncker und EU-Ratschef Donald Tusk in einer Verhandlungspause zunächst nichts. Die Staats- und Regierungschefs wollten Trumps Ansage zunächst genau prüfen und eine Reaktion abstimmen. Grundsätzlich lobte Merkel schon vor Beginn des Gipfels, dass sich die EU einheitlich gegen Protektionismus und für Freihandel positioniert habe. Sie dankte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström, die sich in Washington für Ausnahmen stark gemacht hatte, und fügte hinzu: „Wir werden sehen, was das Ergebnis ist.“

Thema in der ersten Gipfelrunde waren die Pläne, große Internetkonzerne wie Google und Facebook in Europa stärker zu besteuern. Einigkeit wurde aber noch nicht erzielt, man wolle im Juni erneut beraten, erklärten Juncker und Tusk. Einig war man sich hingegen in der Forderung, von sozialen Netzwerken wie Facebook mehr Datenschutz einzufordern. Nationale Gesetze müssten durchgesetzt werden, sagte Tusk.

Weitere Themen des Brüsseler EU-Gipfels waren die Verbesserung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit und Fortschritte für den digitalen Binnenmarkt. Merkel sagte, dies sei ungeachtet der guten wirtschaftlichen Lage in der Europäischen Union und der sinkenden Arbeitslosigkeit notwendig, „weil andere Länder auf der Welt auch riesige Fortschritte machen“.