| 22:26 Uhr

Mosel-Weinbaupräsident übt heftige Kritik
Mainz verbietet Sauftouren mit Planwagen

Mainz. Weinbergsrundfahrten werden immer beliebter. Weil aber offenbar viele Touren ausgeartet sind, gibt es jetzt neue Vorschriften und Verbote – und damit auch heftige Kritik von Winzern und Bauern.

Ein neuer Erlass des Mainzer Landwirtschaftsministeriums stößt vielen rheinland-pfälzischen Winzern und Bauern übel auf. Danach gelten künftig strengere Auflagen für die bei Touristen und Ausflüglern immer beliebter werdenden Planwagenfahrten. Diese haben sich nach Ministeriumsangaben seit einigen Jahren immer weiter vom ursprünglichen Brauchtumsgedanken entfernt und seien mancherorts zu reinen Party- und Sauftouren verkommen.

Dem soll jetzt ein Riegel vorgeschoben werden. Fahrten durch die Weinberge oder über die Felder, die „unter rein touristischen Gesichtspunkten durchgeführt werden“ oder mit denen die Winzer oder Bauern Geld verdienen wollen, sind künftig nicht mehr zulässig, heißt es in dem unserer Zeitung vorliegenden Erlass des Ministeriums über Brauchtumsfahrten. Außerdem müssen die Planwagenfahrten am Betrieb beginnen und dort auch wieder enden. Die Fahrtstrecken müssen den Behörden vorher gemeldet werden.

Damit hätten die Winzer kaum noch eine Chance, ihren Gästen auch die Weinberge in den Nachbarorten zu zeigen, schimpft Rolf Haxel. Der Mosel-Weinbaupräsident hält den Ministeriumserlass für einen überzogenen Schnellschuss. „Viele Gründe, warum die Vorschriften verschärft wurden, halte ich für an den Haaren herbeigezogen und übertrieben“, sagte Haxel unserer Zeitung. Bei vielen Winzern falle nun ein Zubrot weg. Der Weinbaupräsident schätzt, dass allein an der Mosel jährlich über 500 Planwagenfahrten gemacht werden, Rheinland-Pfalz-weit seien es über 2000.



Ähnlich wie Rolf Haxel argumentiert auch Bauernpräsident Michael Horper. Er kritisiert die deutliche Verschärfung des bürokratischen Aufwands und fordert vom Ministerium eine Aussetzung des Ende Juli ergangenen Erlasses. Die Bauern und Winzer hätten so schnell kaum eine Möglichkeit, die neuen Vorschriften in die Tat umzusetzen.

Größere Unfälle mit Planwagenfahrten waren in Rheinland-Pfalz in der Vergangenheit eher die Ausnahme. Einer der schlimmsten Unfälle ereignete sich vor neun Jahren bei der Burg Eltz, als ein voll besetzter Planwagen einen Abhang hinabstürzte: Zwei Menschen starben, 15 erlitten teils schwerste Verletzungen. Im September 2009 kippte ein Planwagen bei Spangdahlem um; es gab zehn Verletzte. Mit dem Wagen hätte man im Straßenverkehr nicht fahren dürfen, sagte ein Sachverständiger im Prozess gegen den Fahrer. Im Erlass des Ministeriums ist daher ausdrücklich auf die technischen Anforderungen verwiesen, deren Einhaltung regelmäßig von Gutachtern überprüft werden muss.