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Renten sollen weiter steigen
Steigende Bezüge, stabile Beiträge — wie es um die Rente steht

Annelie 
Buntenbach, Vorsitzende der Deutschen 
Renten­versicherung.
Annelie Buntenbach, Vorsitzende der Deutschen Renten­versicherung. FOTO: picture alliance / dpa / Jaðrg Carstensen
Berlin. Von Stefan Vetter

Die nächste Anhebung der Renten im Jahr 2019 könnte sogar noch stärker ausfallen als in diesem Jahr. Das stellte die Vorsitzende der Deutschen Rentenversicherung, Annelie Buntenbach, gestern in Würzburg in Aussicht. Zugleich gab sie einen Überblick über den aktuellen Stand bei der Rente. Die wichtigsten Fakten zum Thema:

Wie entwickeln sich die Renten?



Bereits zu Wochenbeginn war bekannt geworden, dass die Bundesregierung zum 1. Juli 2019 mit einem Rentenplus von 3,18 Prozent im Westen und 3,91 Prozent im Osten rechnet. Diese Prognose birgt aber noch Unsicherheiten. Die genauen Daten stehen im Frühjahr fest. Die Rentenversicherung wollte sich gestern daher auch nicht konkret festlegen. Buntenbach sprach aber von einem Korridor für die alten Bundesländer zwischen 3,0 und 3,5 Prozent. In den neuen Ländern werde die Rentenanpassung bedingt durch die gesetzlich vorgegebene Rentengleichung „zumindest“ um 0,7 Prozentpunkte höher liegen. Das bedeutet: Die Altersbezüge im Osten könnten 2019 sogar um mehr als vier Prozent steigen. Im vergangenen Juli hatte es bereits ein Rentenplus von 3,22 Prozent im Westen und von 3,37 Prozent im Osten gegeben.

Steigen die Rentenbeiträge?

Nein. Wegen der nach wie vor sehr guten Lage am Arbeitsmarkt könnten die Beiträge nach Angaben von Buntenbach im kommenden Jahr sogar um 0,4 Prozentpunkte auf dann 18,2 Prozent sinken. Für die Beitragszahler wäre das eine Entlastung von insgesamt sechs Milliarden Euro. Wegen des großen finanziellen Mehrbedarfs durch das neue Rentenpaket der Bundesregierung sind Beitragssenkungen in dem entsprechenden Gesetz für die Jahre 2019 bis 2025 aber ausdrücklich ausgeschlossen. Die Vorlage soll an diesem Donnerstag vom Bundestag verabschiedet werden. Die Bundesregierung geht dabei von jährlichen Mehrkosten in Höhe von bis zu fünf Milliarden Euro aus. Das entspricht etwa 0,3 Beitragssatzpunkten.

Was kostet wie viel im Rentenpaket?

Der größte Teil der Mehrausgaben entfällt auf die weiteren Verbesserungen bei der Mütterrente. Dafür sind allein 3,8 Milliarden Euro veranschlagt. Die geplanten Verbesserungen für Renten von Erwerbsgeminderten kosten rund eine Milliarde pro Jahr. Hinzu kommen 200 Millionen Euro an Mindereinnahmen, die durch die ebenfalls im Paket enthaltenen Beitragsentlastungen für Niedrigverdiener entstehen. Wegen der dafür notwendigen Beibehaltung des derzeitigen Beitragssatzes von 18,6 Prozent finanzieren die Ruheständler laut Buntenbach übrigens einen Teil der zusätzlichen Ausgaben mit. Ihre Rentenanpassung im Juli 2020 wird deshalb um 0,9 Prozentpunkte niedriger ausfallen.

Wie geht es bei Beiträgen weiter?

Das Rentenpaket sieht neben Verbesserungen für einzelne Bevölkerungsgruppen auch eine „doppelte Haltelinie“ vor. So soll der Beitragssatz bis 2025 nicht über 20 Prozent vom Bruttolohn steigen. Zugleich darf das Rentenniveau nicht unter 48 Prozent des jeweils aktuellen Durchschnittslohns sinken. Davon waren Experten aber ohnehin schon weitgehend ausgegangen. Ohne die „Haltelinie“ wäre das Rentenniveau demnach erstmals im Jahr 2024 leicht unter die 48-Prozent-Marke gefallen. Um das zu verhindern, ist dann ein Beitrag von 19,9 Prozent notwendig. Ohne das neue Rentenpaket wären es nur 19,4 Prozent. Nach 2025, wenn die Obergrenze beim Beitrag wegfällt, ist laut Rentenversicherung aber mit spürbaren Anhebungen zu rechnen. Im Jahr 2030 liegt der Beitrag demnach schon bei 22,1 Prozent. Ohne Rentenpaket wären es 21,4 Prozent.