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Oskar Niedermayer
„Eine Spaltung der AfD ist durchaus denkbar“

 Der Parteienforscher Oskar  Niedermayer
Der Parteienforscher Oskar Niedermayer FOTO: dpa / Julian Stratenschulte
Berlin. Der Politikwissenschaftler sieht in den Machtkämpfen rund um Björn Höcke eine Gefahr für die Partei. Von Stefan Vetter

Die AfD steckt tief im Richtungsstreit. Der rechtsnationale „Flügel“ um den Thüringer Partei- und Fraktionschef Björn Höcke hat der Führung der Bundespartei den Kampf angesagt. Das weckt den Zorn gemäßigter Kräfte. Wohin steuert die AfD? Für den Berliner Politikwissenschaftler Oskar Niedermayer ist der Einfluss von Höckes „Flügel“ nur schwer abschätzbar.

Herr Niedermayer, der „Flügel“ um Höcke greift nach der Macht in der AfD. Kann das gelingen?

NIEDERMAYER Das ist schwer abzuschätzen. Denn niemand weiß mit Bestimmtheit, wie stark Höcke und sein „Flügel“ an der Parteibasis ist. Das liegt daran, dass man sich nicht mit festen Mitgliedschaften organisiert hat, wie das in anderen Parteien üblich ist. Am Ende lässt sich der Einfluss des „Flügels“ nur am Verhalten der Delegierten auf Parteitagen erkennen. Daher muss man auch den nächsten ordentlichen Parteitag im Herbst abwarten. Dann wird die Führung neu gewählt.



Mehr als 100 Mandatsträger haben sich jetzt gegen Höcke aufgelehnt, aber nicht gegen seine politische Ausrichtung. Was schließen Sie daraus?

NIEDERMAYER Man könnte meinen, dass diese Leute inhaltlich allesamt auf Höckes Seite sind. Doch da würde ich Zweifel anmelden. Es bestehen schon ideologische Unterschiede. Ein Teil der Höcke-Kritiker ist zwar nationalkonservativ, aber eben nicht völkisch-nationalistisch wie Höcke. Dass sie ihn trotzdem nicht inhaltlich kritisieren, hat damit zu tun, dass die AfD zumindest bis zu den drei Landtagwahlen im September und Oktober im Osten ein halbwegs geschlossenes Bild abgeben soll.

Wie groß ist denn aus Ihrer Sicht die Gefahr, dass sich die AfD spaltet?

NIEDERMAYER Es gab ja schon die Warnung gemäßigter Kräfte, dass sie geschlossen austreten würden, wenn Höcke den Führungsanspruch erhebt. Falls er sich auf dem nächsten Bundesparteitag selbst zur Wahl stellt und die womöglich gewinnt, ist eine Spaltung durchaus denkbar. Der rechtsnationale Flügel allein hätte dann aber kaum eine Überlebenschance. Genauso wenig wie der nationalkonservative Flügel.

Warum nicht?

NIEDERMAYER Die Erfolge der AfD beruhen darauf, dass man immer noch ein breites Spektrum anspricht. Von bürgerlichen Wählern bis hin zum rechtsextremen Rand. Wenn sich die Partei spaltet, dann spaltet sich auch die Wählerschaft. Im Übrigen gab es ja schon mehrere Abspaltungen. Von bürgerlich-konservativ bis stramm rechts. Und die sind allesamt in der Versenkung verschwunden.