| 22:51 Uhr

Handel mit gestohlenen Krebsmedikamenten
Pharmaskandal: Woidke sagt Aufklärung zu

Dietmar 
Woidke (SPD), 
Ministerpräsident von Brandenburg.
Dietmar Woidke (SPD), Ministerpräsident von Brandenburg. FOTO: dpa / Ralf Hirschberger
Potsdam. Der Gesundheitsausschuss macht im Fall um Handel mit gestohlenen Krebsmedikamenten Druck.

Im Skandal um den Handel mit gestohlenen Krebsmedikamenten hat Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke eine umfassende Aufklärung zugesagt. Es müsse geklärt werden, was bei der Aufsicht und Kontrolle schief gelaufen sei, sagte der SPD-Politiker gestern in einer erneuten Sondersitzung des Gesundheitsausschusses des Landtags in Potsdam. Mehrfach verwies er darauf, dass der in zwei Wochen erwartete Untersuchungsbericht der eingesetzten Expertenkommission abgewartet werden müsse. In dem Skandal sollen die brandenburgischen Behörden jahrelang trotz vorliegender Hinweise auf einen illegalen Medikamentenhandel des Unternehmens Lunapharm nicht durchgegriffen haben.

Woidke stellte sich hinter Gesundheitsministerin Diana Golze (Linke). „Momentan hat Frau Golze mein vollstes Vertrauen“, sagte er im Ausschuss. Vor wenigen Tagen hatte er allerdings auch eine Umbildung des Kabinetts nach Vorliegen des Expertenberichts nicht ausgeschlossen. Vor Journalisten sagte er, mit einer Veränderung an der Spitze des Ministeriums wäre man derzeit nicht gut beraten. Es gehe erst darum, die Sicherheit für die Menschen wieder herzustellen. Nach dem Vorliegen des Berichts werde man entscheiden, welche Strukturen im Land oder sogar europaweit verändert werden müssten und auch, ob es personelle Konsequenzen gebe.

Unterdessen war in Berlin bekannt geworden, dass mindestens 220 Patienten allein im Raum Berlin-Brandenburg die in Frage stehenden Medikamente erhielten - über drei Berliner Apotheken, wie ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung erklärt hatte. Das gesamte Ausmaß ist aber noch unklar, ebenso wie die Frage, ob die Krebsmedikamente womöglich unwirksam waren. Auch eine Reihe anderer Bundesländer soll betroffen sein. Direkt an Brandenburger Apotheken wurden die Medikamente nach bisherigen Ermittlungen nicht geliefert.



Der Chef der vom Gesundheitsministerium in Potsdam eingesetzten Expertenkommission, Ulrich Hagemann, sagte vor dem Ausschuss, es sei seiner Meinung nach wahrscheinlich, dass die Medikamente in guter Qualität an die Patienten gegangen seien. Es sei auch nicht richtig, dass immer eine Kühlkette eingehalten werden müsse. Von einer Fälschung von Medikamenten spreche man in Fachkreisen auch dann, wenn ausschließlich der reguläre Vertriebsweg nicht eingehalten werde – unabhängig vom Inhalt der Packungen. Das Potsdamer Gesundheitsministerium verbreitete unterdessen eine Chronologie der Ereignisse. Demnach gab es den ersten Hinweis auf möglicherweise illegalen Medikamentenvertrieb durch Lunapharm bereits am 2. Dezember 2016 in einer Mail des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte an das Ministerium, dem ein Hinweis aus Polen beigefügt war. Massiv eingegriffen wurde aber erst, nachdem das ARD-Magazin „Kontraste“ berichtet hatte.

(dpa)