| 23:41 Uhr

Nach Militärputsch in Simbabwe
Partei will Machthaber Mugabe absetzen

 Putsch? Simbabwes Langzeit-Autokrat Mugabe hält unbeirrt eine Regierungsansprache. Seine Gegner haben ihm ein Ultimatum gestellt.
Putsch? Simbabwes Langzeit-Autokrat Mugabe hält unbeirrt eine Regierungsansprache. Seine Gegner haben ihm ein Ultimatum gestellt. FOTO: dpa / Tsvangirayi Mukwazhi
Harare. Simbabwes weggeputschter Präsident klammert sich an die Macht. Gegner werfen ihm „kritischen Realitätsverlust“ vor.

Die Parlamentsfraktion von Simbabwes Regierungspartei hat das Amtsenthebungsverfahren gegen Präsident Robert Mugabe auf den Weg gebracht. Mugabe wird unter anderem eine chaotische Regierungsführung und die Übergabe von Amtsgeschäften an seine Frau Grace vorgeworfen, erklärte gestern der Fraktionsvorsitzende Lovemore Matuke. Zudem habe er mehrere Minister und Vizepräsidenten mit fragwürdigen Begründungen entlassen. Die Abgeordneten wollten noch am Montag erstmals über das Verfahren beraten. Die Prozedur ist jedoch komplex und kam bislang noch nie zum Einsatz. Mugabe ist in Simbabwe seit 1980 an der Macht.

Der seit einem Militärputsch vom vergangenen Mittwoch unter Hausarrest stehende Mugabe hatte am Sonntagabend in einer Rede an die Nation Fehler eingeräumt. Flan­kiert von der Militärführung erklärte er aber überraschend auch, dass er weiter im Amt bleiben wolle. Wenige Stunden zuvor hatte die Regierungspartei Zanu-PF Mugabe als Vorsitzenden abgesetzt und ihn aus der Partei ausgeschlossen. Die Partei forderte seinen Rücktritt bis Montagmittag. Andernfalls würde ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet, hieß es weiter. Zanu-PF soll demnach zukünftig vom unlängst von Mugabe geschassten Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa (75) geführt werden.

Die überaus einflussreiche Gruppe der Veteranen des Befreiungskriegs forderte den sofortigen Rücktritt Mugabes. Der 93-Jährige leide offenbar unter „klinischem Realitätsverlust“, sagte der Vorsitzende der Gruppierung, Christopher Mutsvangwa, gestern. Mugabe sei seit 37 Jahren an der Macht, nun solle er keine weiteren 37 Sekunden mehr bleiben, forderte er. „Ihre Zeit ist abgelaufen“, sagt er an Mugabe gerichtet. Die Veteranen riefen zu neuen Massenprotesten auf.



Mugabe ist in dem verarmten Land im südlichen Afrika seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1980 an der Macht. Der Militärputsch wurde nach Meinung von Experten ausgelöst durch die Entlassung Mnangagwas und die Bemühungen des Staatschefs, seine unbeliebte Frau Grace (52) als Nachfolgerin zu etablieren. Sie ist bekannt für ihr impulsives Verhalten, für teure Kleider und für extra­vagante Shopping-Reisen. Soldaten nahmen nach dem Militärputsch einige Minister, die Grace unterstützten, fest, darunter Finanzminister Ignatius Chombo.

Das Militär hat Mugabe festgesetzt und wollte ihn zu einer freiwilligen Amtsaufgabe drängen. Damit wollten die Putschisten seiner Ablösung den Anstrich eines verfassungsgemäßen Machtwechsels geben. Offenbar soll einer Übergangsregierung unter Führung Mnangagwas Platz gemacht werden. Veteranenführer Mutsvangwa sprach dem Militär  gestern die Kompetenz ab, den nötigen Wechsel herbeizuführen. Die Generäle sähen Mugabe wohl immer noch als ihren Oberbefehlshaber, kritisierte er.

Am Samstag hatten Zehntausende in den Straßen der Hauptstadt Harare ausgelassen Mugabes Rücktritt und einen demokratischen Neuanfang gefordert. Nun ruhen ihre Hoffnungen auf dem Amtsenthebungsverfahren gegen den Machthaber.