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Organspende-Streit
Vernünftig gedacht, hysterisch reagiert

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Nein, Jens Spahn ist weder ein Hasenfuß noch hat er eine Rolle rückwärts hingelegt. Nur taktisch klug ist er. Bereits 2012 sagte er Ja zur Widerspruchslösung, doch jetzt als Minister tut er gut daran, das Thema in die Hände des Parlamentes zu legen. Von Cathrin Elss-Seringhaus

Denn als Teil eines eigenen Entwurfs hätte diese grundlegende Neuregelung einen ethischen Grabenkrieg ausgelöst und das gesamte neue Transplantationsgesetz  torpediert. Das wäre fatal, denn die  Widerspruchslösung ist nicht der einzige Hebel, mit dem man die Spenderzahlen nach oben bringen kann, aber wohl der effektivste, wie das Beispiel Spanien zeigt. Wobei Spahn für eine moderatere, vernünftige und menschlich faire Lösung eintritt. Angehörige, die eine Entnahme nicht ertragen würden, behalten bei der Spahnschen „doppelten Widerspruchslösung“ das letzte Wort. Dass man dieses Modell jetzt schon als Aushebelung der Freiheitsrechte brandmarkt, zeigt, wie hysterisch Debatten nicht mehr nur in sozialen Netzwerken geführt werden.