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Türkischer Außenminister glaubt an baldige Freilassung
Neue Hoffnung für Deniz Yücel

Ankara. Der türkische Ministerpräsident Yildirim hält eine baldige Freilassung für möglich.

Ein Jahr nach der Festnahme des „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel kommt Bewegung in den Fall: „Ich bin relativ optimistisch, dass wir doch jetzt bald zu einer Gerichtsentscheidung kommen“, sagte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). „Und ich hoffe natürlich, dass die positiv für Deniz Yücel ausgeht.“ Ähnlich äußerte sich der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim vor dem heutigen Besuch bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

Yildirim sagte den ARD-„Tagesthemen“ zu der Frage, wann Deniz Yücel freikommen könnte: „Ich hoffe, dass er in kurzer Zeit freigelassen wird. Ich bin der Meinung, dass es in kurzer Zeit eine Entwicklung geben wird.“ Yildirim betonte allerdings, dass nicht die türkische Regierung, sondern die Justiz darüber entscheide. Yücel wurde gestern vor einem Jahr festgenommen. Anschließend wurde wegen Terrorvorwürfen Untersuchungshaft gegen den deutsch-türkischen Journalisten verhängt. Eine Anklage liegt weiterhin nicht vor.

Der Fall Yücel ist der größte Streitpunkt in der Krise zwischen Berlin und Ankara. Yildirim sagte nun: „Lasst uns eine neue Seite aufschlagen, die Vergangenheit vergessen, in die Zukunft blicken und unsere Beziehungen noch weiter ausbauen.“ Aus Sicht der Bundesregierung ist eine Normalisierung der Beziehungen zu Ankara nicht möglich, solange Yücel ohne Anklage inhaftiert ist.



Mit mehreren Veranstaltungen erinnerten Unterstützer von Yücel an den ersten Jahrestag der Festnahme des Journalisten in der Türkei. In Berlin forderten gestern Abend bei einer Lesung unter anderem der Sänger Herbert Grönemeyer und die Fernmseh-Journalistin Anne Will die sofortige Freilassung des „Welt“-Korrespondenten.

Die Journalistin Doris Akrap las eine Mitteilung Yücels vor, der sich bei seinen Unterstützern bedankte und erklärte, er mache sich keine Sorgen: „Für manches lohnt es sich zu kämpfen.“ Weiter sagte er: „Mit Sorge allein kommt man nicht weit.“ Die Botschaft stamme vom vergangenen Dienstag und sei über Yücels Anwälte weitergeleitet worden, hieß es. In der Hauptstadt fuhren zudem rund 30 Wagen in einem Korso durch die Straßen, um Solidarität mit Yücel zu zeigen.

Im hessischen Flörsheim am Main nahmen Unterstützer Yücels an einer Mahnwache teil. In dem Ort leben Yücels Eltern und seine Schwester. „Er hat sich nicht einmal in irgendeinem juristischen Sinne schuldig gemacht. Er hat einfach nur seinen Job gemacht“, sagte dort Frank Überall, der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV). Er beklagte „abstruse, diffuse Vorwürfe“ gegen Yücel.