| 23:50 Uhr

Landwirtschaft
Naturschützer greifen Politik und Bauern massiv an

Berlin. Angesichts von Hitze und Dürre wirft der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) der Bundesregierung und Bauernverbänden schwere Versäumnisse vor. Um die Erdüberhitzung zu stoppen und auf die Folgen der Klimakrise zu reagieren, forderten der Nabu und andere Umweltverbände seit Jahren eine zügige Neuausrichtung in der Agrar-, Klima- und Naturschutzpolitik, sagte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke gestern bei der Vorstellung des Nabu-Jahresberichtes in Berlin.

Passiert sei aber „nichts, nichts, nichts“, kritisierte Tschimpke.  „Die Lösungen liegen auf dem Tisch, aber es wird nicht gehandelt“, sagte der Präsident von nach eigenen Angaben Deutschlands mitgliederstärkstem Umweltverband. Verbände wie der Nabu führten seit Jahren „ewige Gespräche“ im Rahmen von Beteiligungsprozessen mit der Politik und dem Bauernverband, um die dringend notwendige Umsteuerung in der Agrarpolitik zu erreichen. Nichts davon sei in den vergangenen Jahren umgesetzt worden. Das sei geradezu „demokratiefeindlich“, sagte Tschimpke. „Wir haben deshalb kein Vertrauen mehr in das Bundeslandwirtschaftsministerium und in den Bauernverband.“

Zu einem Systemwechsel in der Landwirtschaftspolitik gehört laut Tschimpke nicht mehr die Fördermittel mit der Gießkanne zu verteilen, wovon überwiegend die großen agrarindustriellen Betriebe profitieren, sondern die Bauern dafür zu bezahlen, wenn sie Naturschutz betreiben und nachhaltig wirtschaften.  Die künftige Gemeinsame Agrarpolitik der EU müsse mindestens 15 Milliarden Euro von ihrem rund 60 Milliarden Euro schweren Budget so umschichten, dass dafür attraktive Anreize geschaffen werden.

Die Forderung des Deutschen Bauernverbandes nach Nothilfen für Ernteausfälle sehe der Nabu deshalb auch skeptisch. „Es ist falsch, immer nur die Symptome einer fehlgeleiteten Landwirtschaft zu lindern, wenn es möglich ist, die Ursache zu bekämpfen“, sagte Tschimpke. Die Intensiv-Landwirtschaft mit ausgeräumten Böden und hoch spezialisierten Pflanzen sei zu anfällig und belaste die Umwelt massiv.