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Popsänger gewinnt vor Gericht
Naidoo siegt in Antisemitismus-Prozess

Laut Gericht lässt sich nicht belegen, dass der Sänger Xavier Naidoo ein Antisemit ist.
Laut Gericht lässt sich nicht belegen, dass der Sänger Xavier Naidoo ein Antisemit ist. FOTO: dpa / Klaus-Dietmar Gabbert
Regensburg. Ein Gericht untersagt, entsprechende Vorwürfe gegen den Sänger zu wiederholen.

Der Popsänger Xavier Naidoo darf nicht als Antisemit bezeichnet werden. Das entschied gestern das Landgericht Regensburg. Laut Urteilsbegründung konnte eine Referentin der Amadeu-Antonio-Stiftung diesen Vorwurf gegen den 46-jährigen Musiker nicht ausreichend belegen. Sie hatte im vergangenen Jahr in Straubing vor Publikum gesagt: „Er ist Antisemit, das ist strukturell nachweisbar.“ Ihre Stiftung setzt sich gegen Rechtsextremismus ein.

Naidoo, Sänger der Band Söhne Mannheims, hatte sich in der Verhandlung vor drei Wochen auf die Kunstfreiheit berufen und betont, dass er sich gegen Rassismus einsetze. Den Vorwurf antisemitischer Ressentiments wies er im Gerichtssaal zurück. Die Beklagte hatte dargelegt, dass Naidoo in seinen Liedtexten auch antisemitische Codes und Chiffren verwende. Diese seien ihm nicht bekannt, hielt der Musiker dagegen.

Der Vorwurf, ein Antisemit zu sein, greife in Naidoos Persönlichkeitsrecht ein, zudem sei bei dem Sänger der Schutz der Kunstfreiheit zu berücksichtigen, erläuterte Richterin Barbara Pöschl. Die Beklagte könne sich auf das Recht auf Meinungsfreiheit berufen, jedoch wiege hier das Recht auf Schutz der Persönlichkeit schwerer. Der Satz „Er ist Antisemit“ sage, dass Naidoo in ganzer Person ein Antisemit sei – über die zitierten Liedtexte hinaus. Das habe die Beklagte nicht ausreichend belegen können. Die Richterin betonte, dass das Gericht nicht beurteilt habe, ob die Texte von Naidoo antisemitisch sind oder nicht. „Man kann ihn nicht festlegen.“ Aber: Er habe die Texte anders verstanden haben wollen und seine Distanzierung sei glaubwürdig gewesen.



Die Referentin will gegen das Urteil in Berufung gehen.