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Mugabe spielt auf Zeit

Johannesburg/Harare. In Simbabwe ist nacktes Überleben Trumpf. Allgegenwärtiger chronischer Mangel, Hunger, Hyperinflation, Elend, Massenarbeitslosigkeit - das Land droht, von der Krise in die Katastrophe zu rutschen. Dennoch zeigen Simbabwes Politiker keine Eile, dem Land eine neue Perspektive zu geben Von dpa-Mitarbeiter Ralf E. Krüger

Johannesburg/Harare. In Simbabwe ist nacktes Überleben Trumpf. Allgegenwärtiger chronischer Mangel, Hunger, Hyperinflation, Elend, Massenarbeitslosigkeit - das Land droht, von der Krise in die Katastrophe zu rutschen. Dennoch zeigen Simbabwes Politiker keine Eile, dem Land eine neue Perspektive zu geben. Vor gut einem Monat haben Präsident Robert Mugabe und Gegenspieler Morgan Tsvangirai ein Abkommen zur Aufteilung der Macht unterzeichnet. Doch die aufkeimende Hoffnung ist längst wieder verflogen: Die Gespräche stehen vor dem Aus. "Leider ist es uns nicht gelungen, uns schon beim ersten Tagesordnungspunkt zu einigen: der Verteilung der Ministerposten; deshalb wurde ein Scheitern erklärt", sagte Tsvangirai am späten Freitagabend nach einem weiteren Verhandlungsmarathon mit der Gegenseite. Der Vermittler, Südafrikas Ex-Präsident Thabo Mbeki, meinte mit seinem unerschütterlichen Optimismus: "Ich würde nicht von Scheitern sprechen, die Verhandlungen gehen weiter." Doch die Fronten sind erneut verhärtet. Mit List und Tücke versucht der seit knapp drei Jahrzehnten zunehmend autokratischer regierende 84-jährige Mugabe, die Fäden der Macht weiter in der Hand zu behalten. Die Gegenseite will sich jedoch nicht mit symbolischen Posten abspeisen lassen, sondern pocht auf eine echte Machtteilung. Ihr Argument: Nur so könne eine politische Wende in dem einstigen Modellstaat herbeigeführt werden, die auch dringend benötigte ausländische Hilfsgelder für den Wiederaufbau bringen würde. Sie weist zudem darauf hin, dass Investoren aus dem Ausland gerade in Zeiten einer weltweiten Finanzkrise nicht endlos warten werden, um dem maroden Staat wieder auf die Beine zu helfen. Heute soll nun in dem kleinen Gebirgs-Königreich Swasiland der zuständige Ausschuss des regionalen Staatenbundes SADC beraten, wie dem Krisenstaat noch zu helfen ist. Doch noch vor dem Auftakt warnte bereits Mugabes ZANU(PF) davor, dass man sich keinem Diktat von außen unterwerfen würde. Bleibt die normative Kraft des Faktischen: die Wirtschaft und ihre Sachzwänge. Denn mittlerweile kratzen selbst Mugabes Günstlinge an der Substanz. Ein halbes Jahr geben südafrikanische Beobachter der Regierung von Langzeit-Präsident Mugabe noch - dann dürfte auch die Geduld des friedlichsten Simbabwers erschöpft sein. Viele Menschen ernähren sich mittlerweile von Beeren und Nagetieren, nachdem die Produktion der Landwirtschaft nur noch ein Schatten ihrer selbst ist. Und ist ist bis zur Aussaat Anfang November keine Besserung in Sicht, dürfte eine Hunger-Katastrophe kaum noch abzuwenden sein.