| 20:41 Uhr

Minister-Treffen
Moskau und Ankara kooperieren in Syrien

 Zwei Akteure, die sich über ein gemeinsames Vorgehen im Bürgerkriegsland verständigen wollen: der russische Außenminister Sergej Lawrow (links) und sein türkischer Amtskollege Mevlüt Cavusoglu.
Zwei Akteure, die sich über ein gemeinsames Vorgehen im Bürgerkriegsland verständigen wollen: der russische Außenminister Sergej Lawrow (links) und sein türkischer Amtskollege Mevlüt Cavusoglu. FOTO: dpa / -
Moskau. Der US-Abzug verschiebt im Bürgerkriegsland die Machtbalance. Russland und die Türkei rücken zusammen – auch wenn sie auf unterschiedlichen Seiten stehen. Von Claudia Thaler, dpa

Angesichts des geplanten Abzugs der US-Truppen aus Syrien wollen Russland und die Türkei ihr Vorgehen in dem Kriegsland stärker koordinieren. „Unter diesen neuen Bedingungen wollen wir an Land verstärkt zusammenarbeiten und so endgültig die terroristische Bedrohung bekämpfen“, sagte der russische Außenminister Sergej ­Lawrow am Samstag nach einem Treffen mit der türkischen Delegation in Moskau der Agentur Tass zufolge. Man habe sich auf Schritte geeinigt, um alle Regionen Syriens von terroristischen Gruppen zu befreien, betonte der türkische Chefdiplomat Mevlüt Cavusoglu.

Bei dem Treffen waren auch die Verteidigungsminister Hulusi Akar und Sergej Schoigu anwesend. Dabei soll auch über ein mögliches Treffen des russischen Staatschefs Wladimir Putin mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan verhandelt worden sein. Weiteres Thema war Schoigu zufolge die Frage einer Sicherheitszone in der Provinz Idlib.

Ende Oktober hatten Erdogan und Putin sich mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Istanbul über den Syrienkrieg ausgetauscht. Es war der erste Syrien-Gipfel mit deutscher Beteiligung. Vereinbart wurde insbesondere, die Bildung des seit Monaten angestrebten Ausschusses zu fördern, der eine neue syrische Verfassung ausarbeiten soll. Am Freitag hatten Putin und Merkel in der Frage des Verfassungskomitees erneut telefoniert.



Die US-Regierung hatte vor etwas mehr als einer Woche den Abzug ihrer Bodentruppen aus den von Kurdenmilizen beherrschten Gebieten im Norden und Osten Syriens verkündet, da die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien weitgehend besiegt sei. Der Prozess könnte mehrere Monate dauern. Er verschiebt die Machtbalance im Land.

Die Türkei hatte zuvor gedroht, das Kurdengebiet zu besetzen, um die Kurdenmiliz YPG zu bekämpfen. Die von den USA unterstützte YPG wird von der Türkei als Terrororganisation eingestuft. Wegen des US-Abzugs suchen die Kurdenmilizen nun neue Verbündete. Sie baten die syrische Armee, Truppen in die Stadt Manbidsch nahe der Türkei zu schicken.

Die syrische Armee verlegte daraufhin nach eigenen Angaben Truppen in das Gebiet. Ihr Vormarsch stieß auf Wohlwollen der Türkei. Manbidsch gehöre zu Syrien, erklärte Erdogan. „Für uns wird nichts mehr zu tun sein, wenn die Terrorgruppen verschwinden.“ Der mit Damaskus verbündete Iran sprach von einem „wichtigen Schritt für die Einheit Syriens“, der ein Ende des Konflikts zur Folge haben könne.

Russland ist einer der wichtigsten Unterstützer des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und hält Militärstützpunkte in dem Land. Die Türkei unterstützt eigentlich sunnitische Rebellen und will einen unabhängigen Kurdenstaat an seiner Grenze verhindern. Die USA führen eine internationale Koalition, die den IS aus der Luft bekämpft, und unterstützt die von der YPG angeführten Milizen.