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Mögliche Koalition
Schwarze und Grüne nähern sich an

 Schon 2017 sondierten die Union – hier mit Angela Merkel und Peter Altmaier – und die Grünen mit Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir (v.li.) eine mögliche Koalition. Diese scheiterte damals an der FDP. Nach der nächsten Wahl könnte es einen neuen Versuch geben – dieses Mal womöglich ohne die Liberalen.
Schon 2017 sondierten die Union – hier mit Angela Merkel und Peter Altmaier – und die Grünen mit Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir (v.li.) eine mögliche Koalition. Diese scheiterte damals an der FDP. Nach der nächsten Wahl könnte es einen neuen Versuch geben – dieses Mal womöglich ohne die Liberalen. FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Berlin. Laut Umfragen wäre eine Koalition aus Union und Grünen derzeit das einzige Zweier-Bündnis mit klarer Mehrheit. Doch passt es auch inhaltlich? Von Hagen Strauss

Alexander Dobrindt hat schon mal bissiger geantwortet. Gefragt nach einer Kooperation mit den Grünen, meinte der CSU-Landesgruppenchef in dieser Woche: „Ich persönlich komme nicht ins Schwärmen.“ Das klang viel milder als noch zu Zeiten der Jamaika-Verhandlungen vor zwei Jahren, bei denen Dobrindt zum „Grünen-Fresser“ mutierte. Es tut sich was bei Schwarzen und Ökos.

Dobrindt wäre freilich nicht Dobrindt, wenn er nicht auch noch eine Spitze für Robert Habeck parat gehabt hätte. Für den scheine „das Pendeln ausschließlich etwas Esoterisches zu sein“, sagte der CSU-Mann grinsend. Der Grünen-Chef hatte in einem Interview zum Klimapaket der Koalition über die darin enthaltene Erhöhung der Pendlerpauschale geschimpft, gleichzeitig aber eklatante Wissenslücken offenbart. Doch solche Fehler sind spätestens dann vergessen, wenn es darum geht, wer mit wem vielleicht einmal ein Bündnis schmieden könnte.

Wären jetzt Bundestagswahlen, kämen die Grünen laut ZDF-Politbarometer auf einen neuen Bestwert von 27 Prozent. Genauso viel erhielte auch die Union. Damit hätte im Augenblick eine schwarz-grüne Koalition als einziges Zweierbündnis eine klare Mehrheit. Auffallend ist, dass sich beide Seiten zunehmend locker machen. So hatte der Chef der EVP-Fraktion im Europaparlament, CSU-Mann Manfred Weber, Anfang der Woche bereits kundgetan, Schwarz-Grün sei das „eigentliche Zukunftsmodell für Deutschland“.



Vor allem CSU-Chef Markus Söder ist es, der sich grün gewandelt hat. Bienen, Klima, Naturschutz, die Christsozialen unter Söder tragen thematisch neue Kleider. Entsprechend ruhiger agiert neuerdings auch Dobrindt in Berlin. Gänzlich auf Attacken verzichtet der Landesgruppenchef aber nicht. Im Bundestag warf er am Donnerstag dem Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter vor, er solle aufhören zu nerven mit seinen „Wissenslücken und all dem, was Sie an Schwachheiten von sich geben“. Dobrindt und Hofreiter sind halt keine Freunde. Das muss man wissen.

Andererseits: Kaum einer will noch Schwarz-Rot. Also gilt es, geschmeidiger zu werden für andere Optionen. Im Konrad-Adenauer-Haus der CDU hat man ebenfalls registriert, dass die Grünen sich gewandelt haben, seit Habeck und Annalena Baerbock Anfang 2018 die Parteiführung übernommen haben. Bei aller Auseinandersetzung in der Klimapolitik, die nun noch kommen wird, die Grünen seien zuverlässiger und verantwortungsbewusster geworden. Auch gibt es bereits persönliche Beziehungen. Schon vor einigen Monaten traf sich CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer mit Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, was im politischen Berlin durchaus als ein Signal verstanden wurde. Dem Vernehmen nach hält AKK viel von Baerbock, weniger freilich von Habeck.

Dass das Grünen-Duo seinerseits die Macht will und seine Chance wittert, ist kein Geheimnis. Am liebsten ohne FDP, also nicht durch eine Neuauflage des Jamaika-Versuchs von 2017. Von den Liberalen sieht man sich inzwischen inhaltlich noch weiter entfernt als damals.