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Minister in der Boulevard-Falle

Berlin. Bloß eine ganz normale Geschichte zwischen ganz normalen Menschen? Offensichtlich nicht. Seit Monaten beleuchten Boulevardmedien die Beziehung von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) zur Schauspielerin Natalia Wörner. Bislang schweigt der Saarländer beharrlich. Werner Kolhoff

Es ist absolute Privatsache. Auch für einen Minister . Von wem er sich trennt, mit wem er es neu versucht. Aber die Liebe ist ein heikles Spiel. Für Politiker ganz besonders. Denn für sie gelten nicht nur private Kategorien. Sie sind öffentliche Figuren. Ansehen, Seriosität und Glaubwürdigkeit sind ihr Kapital.

Auf ein- und derselben Seite bei "bunte.de" mit Claudia Effenberg und Pippa Middleton: "Erstmals spricht sie über ihre Liebe zu Heiko Maas ." Das ist nicht seriös. Eine bundesweite Schlagzeile in der "Bild"-Zeitung: "Hier kommt was Leckeres für ihren Liebes-Minister." Das erhöht das Ansehen nicht. Ein gehauchtes "Ich glaube an die Liebe", natürlich "exklusiv" in "Gala". Natalia Wörner spricht viel mit Boulevard-Zeitungen in diesen Tagen, und es ist nicht klar, ob sie gewusst hat, wie die Wirkung sein würde. Es ist anders als sonst bei ihren Promo-Interviews. Das Interesse gilt nicht wirklich ihr als Schauspielerin. Es gilt ihm, dem Justizminister . Ihre Liebe ist sein Risiko.

Wo sie nicht spricht, wird sie fotografiert auf dem Weg zu ihm, mit Bio-Kuchen in der Hand, "fast ungeschminkt und lässig gekleidet". Wie bedeutungsschwer. "Jetzt platzt die Schauspielerin vor Liebesglück." Zur Komik, die jederzeit in Tragik umschlagen kann, trägt bei, dass man ihr das auf den Fotos auch ansieht, während er auf den Aufnahmen vom ersten gemeinsamen Auftritt eher nüchtern ausschaut. Wie einer, der alles will, bloß nicht diesen Rummel, in den er mit dieser Schauspielerin hineingeraten ist.



Weil beide sich am vergangenen Samstag bei einer Veranstaltung in Berlin zwar demonstrativ gemeinsam zeigten, aber wortlos gingen, war die Hatz nicht gestoppt. Und dann sind da ja auch noch die Ex-Frau und zwei Kinder, ebenfalls mögliche Quellen von "Enthüllungen". Obwohl alles besprochen sein soll und, wie jede Trennung, eine lange Vorgeschichte hat. Schon lauern überall Paparazzi in Maas' Privatleben, und das ist ein Zustand, den ein Politiker unter allen Umständen vermeiden sollte.

Im politischen Berlin beobachtet man das Geschehen höchst aufmerksam. Denn man weiß, wie so etwas enden kann. Rudolf Scharping hat das schmerzhaft erfahren. Ein Minister im Pool, regelrecht im Liebesrausch, das war zu frivol, zu unseriös, er musste gehen. Auch Horst Seehofer wäre einmal fast gescheitert, weil die Mutter seines unehelichen Kindes in der "Bunten" mit ihm abrechnete. Politiker wissen, wie Zeitungen funktionieren und Parteitage. Sie wissen nicht, wie der Boulevard funktioniert. Er ist eine süße, erstickende Soße. Es ist nicht klar, ob die Geschichte gut für Heiko Maas ausgeht. Es ist nicht klar, wann die Meute wieder Ruhe gibt. Einfach aussitzen? Bislang schweigt Maas beharrlich. "Kein Kommentar", heißt es ganz offiziell aus dem Justizministerium. Dafür reden andere. "Wo die Liebe hinfällt . . .", soll ein Kabinettskollege zur "Bild" gesagt haben. Das Blatt zitiert auch einen Ministeriums-Mitarbeiter: "Wie kann man sich als Minister nur so vor den PR-Karren einer Schauspielerin spannen lassen?" Vielleicht sollte der Justizminister auch einmal etwas sagen, kurz und prägnant. So in dem Sinn: Das ist meine Neue, was wollt ihr eigentlich, habt ihr selbst keine? Denn meistens ist so eine Hetzjagd dann zu Ende, wenn das Opfer stehen bleibt und die Meute merkt: Ist ja gar nicht so interessant. Sondern bloß eine ganz normale Geschichte zwischen ganz normalen Menschen.